Windparks

Hochtief baut Offshore-Stellen ab — auch Hamburg betroffen

| Lesedauer: 3 Minuten
Olaf Preuß

Die genaue Größenordnung des Stellenabbaus ist noch unklar. Der Grund: schlechte Aussichten am Markt nach den Reformen zur Energiewende. Hamburger Mitarbeiter: „Wir waren davon völlig überrascht“.

Hamburg. Der Baukonzern Hochtief streicht einen Teil seiner insgesamt 350 Stellen im Geschäft mit Offshore-Windparks. Davon wird auch der Standort Hamburg betroffen sein. Unklar ist aber noch, in welchem Umfang. Das Offshore-Geschäft, das zum europäischen Konzernteil Hochtief Solutions gehört, wird von der Hansestadt aus koordiniert. „Wir müssen den Geschäftsbereich wegen verschlechterter Perspektiven speziell im deutschen Offshore-Geschäft anpassen“, sagte ein Sprecher von Hochtief Solutions am Freitag dem Abendblatt. „Wie viele Stellen in welchem Zeitraum gestrichen werden müssen, steht noch nicht fest. Dies soll sozialverträglich geschehen. Das Unternehmen wird versuchen, möglichst vielen Mitarbeitern Perspektiven in anderen Konzernbereichen zu geben, etwa bei Infrastrukturprojekten in Norddeutschland.“

Zuvor waren die Hamburger Mitarbeiter bei einer erst am Donnerstag anberaumten Betriebsversammlung informiert worden. „Wir waren davon völlig überrascht“, sagte André Grundmann, Regionalleiter Nord der zuständigen Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt. „Bei Hochtief gärt es ja schon länger. Mit konkreten Gesprächen über den Offshore-Bereich hatten wir aber erst für September gerechnet.“ Der spanische Baukonzern ACS hatte sich die Mehrheit an Hochtief im Jahr 2011 in einer feindlichen Übernahme gesichert. Seither strukturieren die Spanier Deutschlands größten Baukonzern radikal um und streichen Stellen.

Den bevorstehenden Abbau im Offshore-Geschäft begründete der Hochtief-Sprecher mit schlechteren Perspektiven speziell am deutschen Markt nach den jüngsten Reformen zur Energiewende. Die neue Bundesregierung hatte nach der Bundestagswahl 2013 das deutsche Ausbauziel für die installierte Leistung von Offshore-Windparks bis zum Jahr 2020 auf rund 6500 Megawatt von zuvor 10.000 Megawatt gesenkt. Ein großer Teil der bis 2020 nötigen Projekte und Aufträge ist bereits vergeben. Allerdings soll die Offshore-Windkraft auch nach 2020 deutlich ausgebaut werden, nicht nur in Deutschland, sondern in vielen europäischen Ländern wie speziell in Großbritannien und Dänemark, aber auch in den Niederlanden oder in Frankreich.

Hochtief war eines der Pionierunternehmen beim Aufbau der deutschen Offshore-Windparks, mit Konzepten für Fundamente am Meeresboden und mit den eigenen Errichterschiffen „Innovation“ und „Vidar“ sowie der Hubinsel „Thor“. Die „Innovation“ arbeitet derzeit am Nordsee-Windpark „Global Tech 1“, die „Vidar“ vor Rügen an „EnBW Baltic2“. Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Schiffe kommentierte der Hochtief-Sprecher nicht.

Hamburg hat in den vergangenen Jahren erheblich von der Energiewende profitiert. Mehr als 25.000 Arbeitsplätze entstanden in der Metropolregion bei Unternehmen der erneuerbaren Energien, davon rund 15.000 in Hamburg selbst, die meisten davon in der Sparte der Windkraftindustrie. Allein Siemens beschäftigt in Hamburg mittlerweile rund 700 Mitarbeiter in seiner internationalen Zentrale für das Windkraftgeschäft. „Mit den richtigen Rahmenbedingungen werden wir bei Siemens in Hamburg weiter Arbeitsplätze im Zusammenhang mit den erneuerbaren Energien aufbauen“, sagte Standortchef Michael Westhagemann kürzlich dem Abendblatt. Siemens ist Weltmarktführer im Geschäft mit Offshore-Windkraftwerken. Auch Energieunternehmen wie Vattenfall und Energie Baden-Württemberg (EnBW) bauen von Hamburg aus ihr Windkraft-Geschäft aus, vor allem mit deutschen und nordeuropäischen Offshore-Projekten.

Allerdings gehen immer wieder auch Arbeitsplätze verloren. Siemens steuert von Hamburg aus auch sein Geschäft mit der Netzanbindung von Offshore-Windparks in der Nordsee. Nach den ersten aufwendig konstruierten Offshore-Umspannwerken für die Gleichstrom-Übertragung von See an Land will Siemens dieses Geschäft künftig mit einem Konsortialpartner fortsetzen. Das Team in Hamburg, das in der Spitze bis zu 350 Mitarbeiter hatte, wird auf rund 150 Mitarbeiter reduziert. Vor allem Zeitarbeitskräfte verlieren dadurch ihre Beschäftigung.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg