Tödliches Virus

Ebola-infizierter Arzt verstirbt vor Ausreise nach Hamburg

In Sierra Leone wird der Arzt Scheik Umar Khan für seinen Einsatz gegen das Ebola-Virus gefeiert. Nun ist er der Krankheit erlegen. Möglicherweise hätte er in Hamburg behandelt werden sollen.

Hamburg/Freetown. Ein an Ebola erkrankter Arzt aus Sierra Leone, der möglicherweise in Hamburg hätte behandelt werden können, ist tot. Dr. Scheik Umar Khan sei in einer Quarantänestation im Krankenhaus gestorben, teilte Brima Kargbo, ein ranghoher Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden des Landes, am Dienstag mit.

Umar Khan engagierte sich stark im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in seiner Heimat. Dafür war der Virologe im ganzen Land als Held gefeiert worden. Bei seiner Arbeit infizierte er sich selbst. Unbestätigten Berichten zufolge könnte es sich bei einem Infizierten, für den eine Behandlung in Hamburg beantragt worden war, um Umar Khan handeln.

Sierra Leone, Liberia und Guinea kämpfen seit dem Frühjahr gegen die sich immer weiter ausbreitende Epidemie. Insgesamt hat die Weltgesundheitsorganisation bislang in der Region mehr als 670 Ebola-Tote registriert. Ärzte und Krankenpfleger sind einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt. In Liberia infizierten sich zwei medizinische Helfer aus den USA.

Nach dem Transport eines Ebola-Kranken setzte die westafrikanische Fluggesellschaft Asky Airlines ihre Flüge zu den Hauptstädten von Liberia und Sierra Leone aus. Die Airline teilte am Dienstag mit, sie fliege die Städte Monrovia und Freetown vorerst nicht an. Flüge nach Guinea bleiben aber bestehen.

Vergangene Woche war ein mit dem Ebola-Virus infizierter Passagier an Bord einer Asky-Airlines-Maschine von Liberia nach Nigeria geflogen. Dort starb er später. Daraufhin erhöhte Liberia seine Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen. Polizisten sollen künftig die Kontrollen der Passagiere überwachen. Bis dahin hatte es dort keine spezielle Passagierkontrolle wegen der Krankheit gegeben.

Ebola ist eine der tödlichsten und ansteckendsten Krankheiten der Welt. Es gibt kein Heilmittel. Das Virus löst eine infektiöse Fiebererkrankung aus, die von Blutungen begleitet wird. Mehr als die Hälfte der Infizierten stirbt.

Sterblichkeitsrate liegt zwischen 25 und 90 Prozent

Bei dem Patienten, der in Hamburger aufgenommen werden sollte, könnte es sich nach Abendblatt-Informationen um einen Arzt handeln, der in Sierra Leone zu einer Symbolfigur des Kampfes gegen Ebola wurde, möglicherweise um Sheik Umar Khan, 39. Der medizinische Leiter, der in dem westafrikanischen Land als „Nationalheld“ gilt, hatte sich in der vergangenen Woche mit Ebola infiziert, zu dieser Zeit richtete die WHO ihre Bitte an das UKE. Weder bestätigte noch dementierte WHO-Sprecher Tarik Jasarevic auf Abendblatt-Anfrage, dass es sich um Khan handele, sondern verwies auf die Persönlichkeitsrechte des Patienten.

Vermutlich sei der erkrankte Mann nicht stabil genug, um transportiert zu werden, so Schmidt. Die Transall-Maschine sei abflugbereit, doch allein der Weg zum Flugzeug bedeute für einen derart geschwächten Menschen ein Risiko. Ebola löst hämorrhagisches Fieber aus, das mit inneren Blutungen einhergeht. Die Sterblichkeitsrate liegt, je nach Erreger-Stamm, zwischen 25 und 90 Prozent.

Der im Februar in Westafrika ausgebrochenen Epidemie sind bisher 660 Erkrankte zum Opfer gefallen, darunter auch immer mehr Krankenhauspersonal. Medikamente helfen gegen Ebola nur begrenzt, eine Impfung gibt es nicht. Die Krankheit wird über Körpersekrete wie Blut übertragen.

Das UKE verfügt als einziges Krankenhaus in Norddeutschland über ein Behandlungszentrum für Patienten mit so gefährlichen und hoch ansteckenden Erregern. Die Sicherheitsvorkehrungen seien sehr hoch, für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, sagte UKE-Sprecherin Christine Trowitzsch. Ähnlich äußerte sich die Feuerwehr, die in solchen Fällen für den Transport vom Flughafen zum UKE zuständig ist.