Rallye

8000 Kilometer Abenteuerlust bei der Baltic-Sea-Circle

Die Rallye „Baltic-Sea-Circle“ war für drei Hamburger ein unvergessliches Erlebnis. Gefragt waren Kreativität, Einfallsreichtum, Witz und Wagemut. Sie wurden sogar Sieger.

Hamburg. An diese Reise werden sie sich ein Leben lang erinnern. Auf der Baltic-Sea-Rallye durch zehn Länder zum Nordkap und zurück haben Michael Dosch, Jens Freyler und Ahmet Yesil unvergessliche Momente erlebt – spannende, komische, berührende und eindrucksvolle Begegnungen mit Mensch und Natur. 15 Tage waren sie unterwegs – wie berichtet in einem 29 Jahre alten Feuerwehrauto, ohne Navi, abseits von Autobahnen, beauftragt mit kniffeligen Aufgaben, die es zu lösen galt. Gefragt waren Kreativität, Einfallsreichtum, Witz und Wagemut. Davon hatten die drei Freunde so viel, dass sie nach der Heimkehr mit ihrem Team „Fire + Ice“ als Sieger der 106 Rallye-Teams gekürt wurden.

Sie hatten von Anfang an Glück. „Wir sollten in jedem Land etwas eintauschen und haben schon vor dem Start eine Büroklammer gegen einen Hammer eingetauscht“, erzählt Michael Dosch, Unternehmensberater aus Niendorf. In Dänemark bekamen sie dafür von einem deutschen Camper eine Flasche schwäbischen Rotwein, für den sie in Schweden ein historisches Telefon bekamen. Im Norwegen, kurz vor dem Nordkap, entdeckte das Team an einem Kiosk einen Plastik-Eskimo, der für Eis warb – und das Telefon wechselte erneut den Besitzer. „Er wurde unser Maskottchen“, so Dosch. Von nun an tauschten sie andere Dinge – und weil es sich so ergab, nur noch mit lokalen Dorffeuerwehren: In Estland erhielten sie ein Feuerwehr-Handbuch, das in Lettland in einem Museum landete. Dafür bekamen sie dort ein anderes, das sie in Litauen wieder gegen etwas anderes eintauschen konnten. Die besten Trophäen – eine russische Feuerwehrmütze, T-Shirts und Abzeichen – behielten sie natürlich. Doch nicht nur durch Tauschgeschäfte kamen sie mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt. „Mal mussten wir jemanden finden, gegen den wir Fußball spielen konnten, mal das schwerste Fahrzeug, das wir am Wegesrand sahen, abschleppen – oder zumindest so tun – und es dann fotografieren“, berichtet Dosch. Klar, dass das Team den Panzer wählte, den sie in Schweden am Wegesrand stehen sahen. Und ebenso klar, dass die Militärpolizei, die das mitbekam, die Aktion nicht lustig fand.

Einen Polizisten auf den Arm zu nehmen – so lautete eine weitere Aufgabe – trauten sie sich weder in dieser Situation noch in Russland. Dort hatten ihnen Grenzbeamte zwischen Seweromorsk und Murmansk vorgeworfen, sie wären in militärisches Sperrgebiet eingedrungen. „Glücklicherweise haben sie nur unsere Pässe kontrolliert und Fotos vom Wagen gemacht“, sagt Jens Freyler, Verleger von Reiseliteratur. Kurz vor der Heimkehr war die Aufgabe immer noch nicht erfüllt. Also nahm er in der polnischen Stadt Gdansk seinen Mut zusammen, eine überraschte Polizistin auf den Arm und erwarb damit 30 Rallyepunkte.

Obwohl die Aufgaben oft kilometerlange Umwege bedeuteten, blieb ihnen viel Zeit für Erkundungen, Entdeckungen und sogar Sport. Beim Joggen auf den Lofoten entdeckten sie sogar ein riesiges Walskelett am Ufer. In Lappland trafen sie einen Samen, der den drei Freunden sein Tipi zeigte. „Auf der Feuerstelle brodelten giftige Ohrenpilze“, erinnert sich Dosch. Die Delikatesse, erklärte der Same ihnen, müsse allerdings dreimal gekocht werden, bevor sie genießbar und unschädlich sei. „Glücklicherweise war es der erste Kochgang und wir mussten nicht probieren“, ergänzt Freyler. Fasziniert waren sie, als der Mann ihnen von seiner 7000-köpfigen Rentierherde erzählte, die er mit Motorschlitten und Helikoptern treibe. „Eine erstaunliche Mischung aus Urtümlichkeit, Massentierhaltung und Technisierung“, so Freyler.

Richtig dunkel wurde es kaum auf ihrer Reise. „Ich hatte überhaupt kein Zeitgefühl“, sagt Dosch. „Als wir am Nordkap Mittsommernacht gefeiert haben, stand die Sonne nachts um halb drei so hoch wie bei uns abends um acht.“ Uhren, nach denen sie sich richten konnten, hatten sie nicht mitgenommen. „Wenn ich morgens mit den Pfannen gegeneinandergeschlagen habe, war Frühstück, wenn die Sonne unterging, war Schlafenszeit“, sagt Freyler. „Und als die Sonne nicht unterging – also von Tag vier bis Tag neun – haben wir halt einfach nicht geschlafen.“ Die Rallye-Tage konnten sie ohne Schlaf ja auch viel besser nutzen. Müdigkeit und ein verknackster Fuß waren die einzigen körperlichen Widrigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatten. Auf Abenteurer aber macht das natürlich wenig Eindruck.