Großevent

Publikum machte Schlagermove zum verrückt-atemlosen Spektakel

Gute-Laune-Party in Hamburg: Beim 18. Schlagermove versammelten sich in Hamburg Hunderttausende kostümierte Feierwütige zum „Festival der Liebe“. Schlagerstar Heino fuhr an der Spitze des Zuges.

Glitzernde Hüte, farbenfrohe Plateauschuhe und Perücken in Knallbonbonfarben auf Männerköpfen: Für den 18. Schlagermove in Hamburg haben Hunderttausende Besucher wieder tief in die Kostümkiste gegriffen. Der blonde Kultsänger Heino fuhr in diesem Jahr an der Spitze des großen Umzuges. In ihren schrillen Kostümen zogen am Sonnabend Feierfreudige durch St. Pauli und sorgten für Karnevalsstimmung an der Elbe. Ob mit riesigen Sonnenbrillen, neonfarbenen Perücken und Schlaghosen oder gleich im quietschbunten Komplettanzug – trotz wechselhaften Wetters herrschte beim „Festival der Liebe“ schon nach den ersten Klängen von den Umzugswagen Partylaune.

„Die Stimmung ist super, alles ist toll“, fand auch Heino, der das erste Mal beim Schlagermove dabei war. Als der 75-Jährige auf dem Wagen an der Spitze des Umzuges seine aktuellen Coversongs „Junge“, „Sonne“ oder „Alles nur geklaut“ schmetterte, brachen Jubelstürme unter seinen Fans aus, von denen einige als ihr Idol verkleidet waren. Auch die Klassiker des bekannten Sonnenbrillenträgers „Schwarze Barbara“ und „Blau blüht der Enzian“ lösten Begeisterung aus. Mit dabei waren außerdem prominente Volksmusik-Größen wie Costa Cordalis, Schlagersängerin Ireen Sheer und Partysänger Willi Herren dabei.

Bei Deutschlands größter Schlagerkarawane haben eine halbe Million Menschen eine riesige Gute-Laune-Party gefeiert. Das teilte der Veranstalter mit. Die Polizei schätzte die Zahl der Besucher niedriger: auf rund 400.000. Der Schlagermove sei weitgehend friedlich verlaufen. Es habe keine größeren Zwischenfälle gegeben. Die Polizei zählte 37 Körperverletzungen – etwa so viel wie im vergangenen Jahr, als die Beamten auf 33 kamen. Nach Angaben des Veranstalters unter Berufung auf ambulante Helfer mussten bis zum Sonnabendabend allerdings 72 Mal die Rettungswagen ausrücken. Konkrete Zahlen der Sanitäter lagen zunächst nicht vor.

Zum 18. Mal machte der Schlagermove die Hansestadt zum Schauplatz für den größten Karneval des Nordens. 45 wild geschmückte Musiktrucks bahnten fünf Stunden ihren Weg durch die Massen und drehten ihre Runde vorbei an Landungsbrücken, Fischmarkt und Reeperbahn. Nach einem sonnigen Start bei sommerlichen 20 Grad zeigten sich später Wolken am Himmel. Das gemischte Hamburger Wetter konnte die Party-Stimmung der schrill-bunten Kostümierten nicht trüben. „Der Schlagermove war in diesem Jahr eine regenfreie Insel“, freute sich der Sprecher des Veranstalters, Axel Annink.

Das Publikum präsentierte sich wie in den vergangenen Jahren bunt gemixt: Schlagerfreunde aus dem Stadtstaat, der Umgebung, aber auch aus dem benachbarten Ausland zelebrierten das große Musikfest. Seit 1997 haben etwa Frank, Malte, Detlef und Jan aus Hamburger keinen Schlagermove verpasst. „Wir kommen her, weil wir ein Mal im Jahr richtig gute Musik hören wollen“, sagten die Männer mit riesigen Afroperücken und selbstgebastelten Kostümen. Zu den Unkostümierten, die eindeutig in der Minderheit waren, gehörten Basti und Steffen (beide 30) aus Dortmund, die eigentlich nur auf Hamburg-Besuch waren. „Wir wussten nicht, dass es hier so ausgefallen und extrem ist und sind ganz überrascht“, sagten sie und bescheinigten den Hanseaten Feierfreudigkeit. Die beiden Studentinnen Lisa und Frauke (21) sind aus Lüneburg zum Move angereist: „Es ist echt irre hier, super Musik“, freuten sich die beiden 21-Jährigen, während sie ausgelassen auf den Straßen St. Paulis tanzten. Glücklich waren sie auch über das bis dahin trockene Wetter.

Von allen Wagen dröhnte stundenlang ein Schlager nach dem anderen: Viele grölten die altbekannten Texte aus vollem Halse mit. Seifenblasen und Konfetti regneten von den Trucks. Erst rund fünf Stunden nach dem Start erreichte der letzte Musiktruck das Ziel. Zu größeren Zwischenfällen kam es nicht. „Bis zum Schluss des Umzugs blieb alles friedlich“, berichteten sowohl die Polizei als auch die Veranstalter. Mehrere Straßen waren für den Umzug gesperrt. Betroffen davon war auch der Busverkehr. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) verstärkte wegen des erwarteten Andrangs sein Angebot: Tagsüber wurden am Sonnabend auf allen U- und S-Bahn-Linien längere Züge eingesetzt.

Partyhöhepunkt nach dem großen Musikumzug durch St. Pauli war am Abend die Aftermove-Party auf dem Heiligengeistfeld: Auf einem 24.000 Quadratmeter großen Areal sorgten Live-Auftritte von acht Künstlern und Bands in fünf Zelten weiter für Stimmung. Auch auf dem Kiez gab es passend zum Schlagermove zahlreiche Party-Angebote. Im vergangenen Jahr bejubelten rund 350.000 Besucher bei teilweise sonnigem Wetter das Spektakel. Der Schlagermove 2015 wird am 10. und 11. Juli in Hamburg gefeiert.