Interesse am Studium zum Islamlehrer gering

Muslimische Lehrkräfte dürfen gleichberechtigt mit evangelischen Kollegen unterrichten. Katholiken machen bei Projekt nicht mit

Altstadt . „Die Verträge sind eine Geste“, hieß es vor zwei Jahren in der Senatskanzlei. Es ging um die Entwürfe für die Staatsverträge mit drei muslimischen Verbänden und der Alevitischen Gemeinde. Inzwischen ist das Paragrafenwerk längst unterzeichnet. Und die Muslime fordern, dass es mit Leben gefüllt wird. Ein wesentlicher Fortschritt ist die Weiterentwicklung des Religionsunterrichts für alle, den künftig muslimische Lehrkräfte gleichberechtigt in Hamburg unterrichten dürfen.

Vertreter der beteiligten Verbände VIKZ (Islamische Kulturzentren), DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) und Schura (Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg) stehen jetzt vor der Herausforderung, geeignete Lehrkräfte zu finden. Offen sprechen sie von Personalproblemen. Um die Ausbildung zu intensivieren, startet die Universität Hamburg mit der Akademie für Weltreligionen im Herbst einen Ergänzungsstudiengang. „Da können schon studierte Lehrer eine Zusatzqualifikation als Religionslehrer erlangen. Ein Jahr später wollen wir dann mit der grundständigen Ausbildung beginnen“, sagt Islamprofessorin Katajun Amirpur. Allerdings müssten an der Universität zusätzliche Personalressourcen geschaffen werden. Notwendig seien mindestens zwei weitere Professuren, um mit der grundständigen Ausbildung starten zu können, betont sie.

Eine eigenständige Position nimmt die katholische Kirche mit dem Erzbistum ein. Weder an dem bisherigen „Religionsunterricht für alle“ noch an der neuen Form sind katholische Religionslehrer beteiligt. „Wir halten es für wesentlich, dass Schülerinnen und Schüler zunächst ihr eigenes religiöses Bekenntnis kennenlernen“, sagt Manfred Nielen, Sprecher des Erzbistums.

Für katholische Schüler gibt es mehrere Angebote. Einerseits können sie am katholischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen teilnehmen, sofern die Mindestzahl von zehn Schülern erreicht ist. Derzeit wird katholischer Religionsunterricht an fünf staatlichen Schulen jahrgangsübergreifend erteilt. Außerdem gibt es Angebote für außerschulischen katholischen Religionsunterricht. Zudem erhalten die Schüler an allen 21 katholischen Schulen im Stadtgebiet zwei Wochenstunden katholischen Religionsunterricht – von der ersten bis zur 12./13. Klasse.

Mit der neuen interreligiösen Form des Religionsunterrichts tragen Schulbehörde und Religionsgemeinschaften der Pluralisierung und gewachsenen religiösen Vielfalt Rechnung. In der Hansestadt gibt es mehr als 100 große und kleine Religionsgemeinschaften. Gut 31 Prozent der Bevölkerung gehören der evangelisch-lutherischen Kirche, rund zehn Prozent der katholischen Kirche an. 130.000 Muslime und 50.000 Aleviten leben in der Stadt.

In Deutschland wird der Religionsunterricht in fast allen Bundesländern nach Konfessionen bzw. Religionen getrennt erteilt. In Hamburg läuft das seit Jahren mit dem Modell „Religionsunterricht für alle“ in evangelischer Verantwortung jedoch anders: Er ist interreligiös konzipiert. Die Verantwortung lag bisher auf der evangelischen Seite.