Handel

Hamburger Otto-Konzern steigt aus Touristikgeschäft aus

Raiffeisenbank Altötting übernimmt Tochtergesellschaft OFT und 300 Büros der Marke Reiseland komplett. Chefin wechselt zu TUI Cruises.

Hamburg. Nach fast einem Vierteljahrhundert zieht sich der Hamburger Handelskonzern Otto endgültig aus dem Geschäft mit Urlaubsreisen zurück. „Wir betrachten den Tourismus schon seit Längerem nicht mehr als Teil unseres Kerngeschäftes“, sagte eine Otto-Sprecherin dem Abendblatt. Stattdessen werde man sich künftig ausschließlich auf die drei großen Standbeine Einzelhandel, Finanzdienstleistungen und Logistik konzentrieren und die Stärkung des Onlinegeschäfts weiter vorantreiben. Käufer der Touristiksparte ist die VR meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf, die mit diversen Investments bereits seit Jahrzehnten im Geschäft mit Urlaubsreisen aktiv ist.

Von dem Verkauf betroffen sind etwa 600 Mitarbeiter der Otto Freizeit und Touristik GmbH (OFT), in der die Reiseaktivitäten des Handelskonzern bislang gebündelt sind. 120 von ihnen arbeiten in der Zentrale in der Hamburger Alstercity (Barmbek-Uhlenhorst). Zu OFT zählen vor allem die Reisebüros der Marke Reiseland, mit 300 Filialen die nach eigenen Angaben größte, veranstalterunabhängige Kette in Deutschland. Die Otto-Tochtergesellschaft kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von rund 550 Millionen Euro und ist profitabel.

Die VR meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf hatte bereits Anfang 2012 einen Anteil von 49 Prozent an den Touristikaktivitäten von Otto übernommen, mit der Option, bis Mitte dieses Jahres die restlichen Anteile zu erwerben. Diese Möglichkeit habe man nun wahrgenommen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Kreditinstituts, Wolfgang Altmüller, dem Abendblatt.

Größere organisatorische Veränderungen sind nach Altmüllers Worten bei der bisherigen Otto-Tochter zunächst einmal nicht geplant. „Wir führen alle unsere touristischen Beteiligungen als eigenständige Unternehmen und werden dies auch bei OFT so halten“, erklärte der Bankchef. „Die Zentrale wird in Hamburg bleiben.“

Allerdings muss sich Altmüller in den kommenden Monaten eine neue Chefin für den übernommenen Touristikbereich suchen. OFT-Geschäftsführerin Wybcke Meier wird zum 1. Oktober nämlich zu dem Hamburger Kreuzfahrtunternehmen TUI Cruises wechseln und dort die Nachfolge von Chef Richard Vogel antreten. Diese Personalie habe aber nichts mit der aktuellen Übernahme zu tun, so Altmüller. Vielmehr habe sich die 45 Jahre alte Managerin noch einmal beruflich verändern wollen. „Wir bedauern es sehr, sie zu verlieren.“

Unklar ist darüber hinaus, was mit den Onlineaktivitäten der Otto-Tochter passieren soll. So betreibt OFT bislang noch die Portale otto-reisen.de und hermes-touristik.de. Über eine Fortführung dieser Auftritte sei noch nicht entschieden, sagte Altmüller. Die Verhandlungen liefen. Eine Sprecherin von Otto erklärte, die Marken sollten bei dem Hamburger Handelskonzern bleiben.

Vor rund eineinhalb Jahren hatte sich OFT bereits von dem größten Teil der Internetaktivitäten getrennt, zu denen der Flugreisenanbieter Travel Overland und travelchannel.de gehörten. Das Unternehmen hatte sich im preisaggressiven Kampf im Netz nur schwer gegen die Konkurrenz durchsetzen können. Vor allem durch diese Abspaltung war der OFT-Umsatz von einst 700 Millionen Euro auf nur noch 550 Millionen Euro zurückgegangen.

„Wir sehen unsere Stärken ganz eindeutig im traditionellen Reisebürogeschäft“, sagt Bankchef Altmüller. Trotz des hohen Konkurrenzdrucks glaube man an dieses Geschäft und wolle es auch weiter ausbauen. Derzeit liefen Gespräche über die Übernahme von zwei Anbietern, die noch in diesem Jahr abgeschlossen werden sollten.

Die Raiffeisenbank Altötting ist bereits seit 1962 im Geschäft mit Urlaubsreisen aktiv und betreibt nach eigenen Angaben etwa hundert eigene Reisebüros mit unterschiedlichen Marken in Deutschland, sowie Hunderte weitere in den Niederlanden. Darüber hinaus kooperiert die Bank mit zahlreichen eigenständigen Reisebüros in der Bundesrepublik. Die Aktivitäten sind in der RT Touristik Group gebündelt, in die jüngst auch der ägyptische Bau- und Hotelunternehmer Samih Sawiris eingestiegen ist.