Norddeutschland

Mehr als 50 Mühlen öffnen zum traditionellen Mühlentag

Mühlen sind die ältesten Maschinen der Menschen. Am Mühlentag geben viele von ihnen in Hamburg und Schleswig-Holstein Einblick in historische Techniken. Mit dabei ist auch die Riepenburger Mühle - die größte und älteste Holländermühle der Hansestadt.

Hamburg. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gehört der Pfingstmontag in ganz Deutschland traditionell den Mühlen. In Hamburg und Schleswig-Holstein öffnen 53 der rund 120 noch erhaltenen Wind-, Wasser- und anderen historischen Mühlen am 21. Deutschen Mühlentag ihre Pforten. Besucher können die Zeugen einer vergangenen Technikepoche besichtigen und einen Einblick in das Mühlenhandwerk bekommen.

In Hamburg macht unter anderem die Riepenburger Mühle mit – die größte und älteste Holländermühle der Hansestadt. Sie steht im Stadtteil Kirchwerder und ist ein sogenannter zweistöckiger Galerieholländer mit Jalousieflügeln und Windrose. Seit 1318 wird hier mit Windkraft gemahlen. Die Riepenburger Mühle beherbergt neben einem Mahlwerk für Getreide auch Hamburgs kleinste Ölmühle. Dort werden bis heute auf traditionelle Art und Weise Speiseöle in Kleinstmengen hergestellt.

In Kappeln lockt die Windmühle Amanda mit einem windbetriebenen Sägegatter. Sie ist mit 24 Metern Kappenhöhe die höchste Windmühle Schleswig-Holsteins. Heute beherbergt sie ein Trauzimmer und die Tourist-Information. In Langballig steht eine wasserbetriebene Buttermühle, die im Inneren einer Meierei ein Drehbutterfass antreibt. Und nahe Wilster an der Bundesstraße 5 dreht sich die Schöpfmühle Honigfleth – Deutschlands einzige funktionsfähige Kokermühle. Mit einer hölzernen Schnecke wird sie bei der Entwässerung der Marsch genutzt.

Die Torfwindmühle im Süderholmer Moor bei Heide hat in diesem Jahr kurzfristig die Teilnahme am Mühlentag abgesagt. Der Grund ist ein Vogelpaar, das zurzeit in unmittelbarer Nähe seinen Nachwuchs ausbrütet und nicht gestört werden soll.

Mühlen sind die ältesten Maschinen der Menschen: Mit ihnen sei schon vor mehr als 2000 Jahren Getreide verarbeitet worden, sagte Erhard Jahn, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde (DGM). Die ersten Windmühlen in Deutschland gab es im 11. Jahrhundert.

Mühlen sind jedoch nicht nur technische Denkmäler, sondern haben auch das Landschaftsbild über die Jahrhunderte entscheidend geprägt, erklärte der Hobby-Historiker und Mühlenexperte Guido Weinberger aus Lübeck. „Selbst in einer modernen Großstadt wie Hamburg können bedeutende Teile des Stadtbildes auf die Geschichte der Mühlen zurückgeführt werden“, sagte er: „Außen- und Binnenalster sind nichts anderes als aufgestaute Mühlenteiche, und der berühmte Jungfernstieg ein ehemaliger Mühlendamm.“