Blockheizkraftwerke

Energieversorger LichtBlick droht Volkswagen mit Klage

Kooperation zwischen Hamburger Energieversorger und Autokonzern bei Blockheizkraftwerken überraschend beendet. Das Aus der Zusammenarbeit soll bei LichtBlick sogar zu einem Stellenabbau führen.

Hamburg. Heiko von Tschischwitz ist eigentlich ein besonnener Mann. Bevor der Hamburger LichtBlick-Chef in Rage gerät, muss einiges geschehen. Das Verhalten von Volkswagen, dem weltgrößten Autohersteller, hat ihn nun erzürnt. Der Wolfsburger Konzern habe den Kooperationsvertrag mit dem Stromversorger zur Entwicklung und Lieferung von Blockheizkraftwerken (BHKW) beendet, erzählt er. „Zu unserem großen Bedauern können wir nun keine Kraftwerke mehr verkaufen. Volkswagen hält wesentliche wirtschaftliche Vereinbarungen unseres langfristigen Kooperationsvertrags nicht ein und entzieht uns dadurch die Grundlage für die Fortsetzung dieses Geschäftszweiges“, sagt er. „Wir haben lange verhandelt und versucht, die Partnerschaft zu retten. Letztendlich wollte VW uns Bedingungen diktieren, die vollkommen inakzeptabel sind. Dabei hätten wir sehr gerne weitergemacht. Denn wir sind von der Technologie überzeugt und sehen große Wachstumschancen im BHKW-Markt.“

Das Aus der Kooperation soll bei LichtBlick sogar zu einem Stellenabbau führen. Eine höhere zweistellige Zahl von Arbeitsplätzen werde gestrichen, vor allem im Vertrieb und in der Technik, heißt es. Die Gesamtzahl der Beschäftigten des Unternehmens werde damit von 470 auf rund 400 sinken. „Wir versuchen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden“, so von Tschischwitz. Den Mitarbeitern soll der Jobverlust durch eine Abfindung erleichtert werden. „Es handelt sich um Spezialisten. Als Geschäftsführer werde ich gemeinsam mit der Personalabteilung bundesweit Unternehmen kontaktieren und versuchen, die betroffenen Mitarbeiter zu vermitteln“, sagt er.

Volkswagen reagierte schriftlich auf eine Anfrage des Abendblatts: Die Vorstellungen bei der Kooperation hätten „weit auseinander“ gelegen. Die Wolfsburger hätten ein „nachgebessertes Angebot“ vorgelegt. Dies sei aber von Lichtblick nicht akzeptiert worden.

Seit 2009 arbeiteten beide Unternehmen an der Entwicklung sogenannter Zuhausekraftwerke. Allein LichtBlick hat nach eigenen Angaben in diesem Zeitraum einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investiert und zahlreiche neue Mitarbeiter für den Vertrieb und die Vermarktung der Anlagen eingestellt. Doch VW soll laut LichtBlick schon seit mehreren Jahren versuchen, den damals ausgehandelten Vertrag neu zu verhandeln. Laut von Tschischwitz habe sich sein Unternehmen vertragstreu verhalten. Es sei vor allem um finanzielle Dinge zum Nachteil von LichtBlick gegangen.

In der Bilanz des Unternehmens wirke sich die Kündigung der Zusammenarbeit durch VW kaum aus. Neun Millionen Euro habe das Geschäft mit VW ausgemacht, während der Handel mit Strom und Gas 2013 einen Umsatz in Höhe von 715 Millionen Euro erbrachte. Doch von Tschischwitz ist enttäuscht darüber, dass die Kooperation zu einem Zeitpunkt scheitere, wo nach vielen Jahren gemeinsamer technologischer Entwicklung der Massenmarkt erschlossen werden sollte. „Wir haben fünf Jahre gemeinsam gesät. Doch jetzt, wenn die Ernte eingefahren werden soll, sind wir nicht mehr daran beteiligt.“ Insgesamt sind derzeit 1500 Anlagen von LichtBlick und VW in Betrieb.

„Ich werde nie wieder eine Entwicklungspartnerschaft für Technologieprodukte mit einem Großkonzern eingehen“, sagt von Tschischwitz. Nun will LichtBlick mit Volkswagen bilaterale Gespräche über Schadenersatzforderungen führen. Denn offiziell läuft der Vertrag erst Ende 2018 aus. Die Hamburger wollen es im Guten versuchen. „Aber wenn wir uns mit VW nicht einigen können, werden wir notfalls vor Gericht ziehen“, sagt von Tschischwitz.

LichtBlick hat auch die Software für den Betrieb der Anlagen entwickelt. Auf Basis dieser Software, die längst nicht mehr nur das Zuhausekraftwerk steuert, entwickelt das Unternehmen seit mehreren Jahren neue Geschäftsmodelle. Deshalb sollen Geschäftsfelder, wie etwa der Versuch gemeinsam mit Volkswagen 20 Elektroautos der Marke E-up als Speicher für überschüssigen Strom zu verwenden, weiterverfolgt werden. Ist zu viel Strom im Netz, werden damit die Batterien der Autos aufgeladen. Wird Strom benötigt, speisen die Batterien des Autos ihn ins Netz ein. „Wir nutzen hier die Tatsache, dass Autos über 90 Prozent der Zeit gar nicht gefahren werden“, so von Tschischwitz. Damit das Fahrzeug nicht nach wenigen Kilometern Fahrt liegen bleibt, legt der Autofahrer per Handy-App eine Mindestreichweite fest, die er mit seinem Elektromobil jederzeit fahren kann.

Ein weiteres Projekt der Hamburger ist das Management von Blockheizkraftwerken für andere Unternehmen – aber mit der selbst entwickelten LichtBlick-Software. Erster Kunde ist der Kraftwerkshersteller Danpower. „Unsere Software weckt Interesse bei Firmen im In- und Ausland. Kürzlich war sogar eine Delegation aus Kalifornien bei uns“, so von Tschischwitz.