Verkehr in Hamburg

Fahrrad-Lobby nennt Strafpunkte in Flensburg absurd

Wer zu schnell an einer Bushaltestelle vorbeiradelt, riskiert Bußgelder und einen Eintrag in die Verkehrssünder-Datei. ADFC kritisiert die Situation an vielen Kreuzungen in Hamburg als absurd.

Hamburg/Berlin. Dass Fahrradfahrer Punkte in Flensburg riskieren, wenn sie auf einem Gehweg zu schnell oder unvorsichtig an einer Bushaltestelle vorbei fahren, ist laut dem Hamburger ADFC-Sprecher Dirk Lau „absurd“. Bestraft werden müssten seiner Meinung nach vielmehr die Planer, die für die gefährliche Radverkehrsführung verantwortlich sind.

Gemeint sind Situationen, in denen ein Radweg zwischen Bushaltestelle und Gehweg führt. Fahrgäste, die aus dem Bus aussteigen und vorbeifahrende Radfahrer geraten hier leicht aneinander.

Als Strafe sieht der Gesetzgeber mindestens 15 Euro Verwarnung vor, wenn Radfahrer zu schnell unterwegs sind. Behindern Verkehrsteilnehmer Fahrgäste, werden 60 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig, bei einer Gefährdung anderer steigt das Bußgeld auf 70 Euro.

An einigen Stellen in Hamburg kann das besonders einfach passieren, etwa an der Bushaltestelle Bahrenfelder Straße (Eulenstraße Ecke Mottenburger Straße) in Ottensen. Hier hört der „alte“ Fahrradweg kurz vor der Haltestelle einfach auf. Weil offensichtlich unklar ist, wo es jetzt weitergeht, wählen Radfahrer mal die Straße, mal den Bürgersteig zum Weiterfahren. Und bei der zweiten Variante ist die Gefahr groß, dass es kracht.

„Fahrradfahrer sind oft unsicher, ob sie auf der Straße fahren dürfen oder nicht“, so Lau. Gerade bei gefährlichen Radverkehrsführungen an Bushaltestellen wie am Siemersplatz sei besondere Vor- und Rücksicht geboten.

ADFC-Sprecher: Fahrradfahrer auf die Straße

Die Unsicherheit vieler Verkehrsteilnehmer liegt auch daran, dass sich hier die Regelungen geändert haben. Am wichtigsten: Die Radwegebenutzungspflicht besteht vielerorts nicht mehr, weil es in vielen Fällen laut Polizei und ADFC sicherer sei, auf der Straße zu fahren. Fahrradwege müssen nur noch dann benutzt werden, wenn dort ein entsprechendes Schild - rund und blau und mit einem weißen Fahrrad drauf - zu sehen ist. Wo es keinen Radweg, sondern nur einen Fußweg gibt - wie im Fall an der Bahrenfelder Straße -, muss auf die Straße ausgewichen werden. „Das Gehwegradeln ist für Erwachsenen verboten und eine Ordnungswidrigkeit.“

Laut ADFC-Sprecher Lau sei die beste Variante in jedem Fall, sich als Radfahrer solchen Situationen gar nicht erst auszusetzen und stets die Fahrbahn, vulgo Straße, zu benutzen.

Fahrradfahrer zu bestrafen, weil die Verkehrsführung unklar ist, sei aber die falsche Lösung: „Wenn die Polizei anfängt, Zeit und Energie darauf zu verschwenden, in solchen Fällen den Fahrradfahrern hinterher zu jagen, statt für mehr Verkehrssicherheit durch klare, eindeutige Radverkehrsführungen zu sorgen, ist das absurd“, so Lau. Dass in Hamburg Fahrradfahrer tatsächlich durch Fehlverhalten an einer Bushaltestelle an Punkte in Flensburg gelangt sind, ist ihm nicht bekannt.