Schule der Zukunft entsteht im Osdorfer Born

Neubau der Geschwister-Scholl-Schule soll hamburgweit Maßstäbe setzen. Das Konzept: Architektur folgt Pädagogik

Lurup. „Lerncluster“ statt Klassenraum, Teambereiche für Lehrer und Verknüpfungen mit dem Stadtteil – so sieht das Konzept für die Schule der Zukunft aus. Im Osdorfer Born rückt die Zukunft näher. Die Geschwister-Scholl-Schule wird nicht nur abgerissen und neu gebaut, der Neubau soll mit seinem pädagogisch-räumlichen Konzept hamburgweit Maßstäbe für alle großen Schulbauten setzen. Am Dienstag sind die Ideen vorgestellt worden.

Ein Beraterteam hat in den vergangenen zehn Monaten mit Schulleitung, Lehrern, Eltern, Schülern und Bewohnern aus dem Stadtteil ein neues Raumkonzept für die Stadtteilschule erarbeitet. „Phase Null“ nennt sich dieses Projekt der Montag-Stiftung im Wert von 100.000 Euro. Im Rahmen der Schulbauoffensive für benachteiligte Stadtgebiete bekommt Lurup eine neue Stadtteilschule. Der 37 Millionen Euro teure und 11.100 Quadratmeter große Neubau soll bis zum Sommer 2017 entstehen. Der Baubeginn ist für 2015 geplant. Der Unterricht läuft im Altbau weiter, bevor er abgerissen wird.

Weil sich das Lernen verändert habe, müssten Schulen anders geplant werden. „Die Schüler lernen in Kleingruppen, zu zweit oder mit dem ganzen Jahrgang. Klassenräume müssen diesen Wechsel zulassen“, sagt Architekt Jochem Schneider. Sonst sei moderner Unterricht nicht möglich. „Phase Null“ hatte sich Vorbildschulen in den Niederlanden, der Schweiz, in Bayern und Hessen angesehen. Ergebnis: Statt in Klassenräumen werden die Schüler der neuen Stadtteilschule in Lernclustern unterrichtet – das heißt: Es gibt beispielsweise 46 Quadratmeter große Räume für Lerngruppen, denen jeweils 18 Quadratmeter große Gruppenräume angegliedert sind. Diese Lerncluster werden von verschiedenen Jahrgangsgruppen benutzt. Außerdem sind Besprechungs- und Lehrvorbereitungsräume für die Lehrer vorgesehen, die als Teamstützpunkt dienen. Das Zentrum jedes Clusters ist eine Gemeinschaftszone, um die sich alle anderen Räume gruppieren.

„Es geht um Qualität, nicht um die Architektur“, sagt Jochem Schneider. Heißt: Der Schulbau wird bei Planung und Design den pädagogischen Ansprüchen angepasst und nicht umgekehrt.

Team- und Verwaltungsbereiche lösen das bisherige Klassenzimmer ab. Es wird Bereiche geben, zu denen die Schüler Zutritt haben, und einige, die nur den Pädagogen offenstehen. Einen zentralen Bereich bilden dabei unter anderem Elternsprechzimmer, Teeküche, Schulleitung und Bücherei, im dezentralen Bereich haben die Pädagogen ihre Teambereiche. Grundsätzlich gilt: Es muss mehr Zonen für Gespräche geben, auch weil unterschiedliche Pädagogen – Lehrer, Erzieher, Sozialarbeiter, Sozial- und Sonderpädagogen – an den Schulen arbeiten und sich austauschen müssen. Denn: „Der Schlüssel für eine erfolgreiche Schulentwicklung ist eine stabile, belastbare Teamstruktur. Ohne diese schafft man es nicht, eine gute Schule zu werden“, sagt Otto Seydel vom Institut für Schulentwicklung.

Für die Fachräume hat sich die Planungsgruppe auch etwas überlegt: Naturwissenschaft, das haben sie an der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden gesehen, muss nicht nur in Fachräumen gelehrt werden. Experimentierfähigkeiten werden in Wiesbaden ab Jahrgang fünf beim Mikroskopieren und Experimentieren an mobilen „Nawi-Wagen“ geschult und in den nachfolgenden Schuljahren weiterentwickelt. Musik und Darstellendes Spiel sollen im neuen Herzen der Schule stattfinden. „Gemeinschaftsbereiche bekommen gerade beim individualisierten Lernen eine immer größere Bedeutung“, sagt Otto Seydel. Diese Gemeinschaft brauche ein gemeinsames Herz. An der Geschwister-Scholl-Schule wird dieses Herz – das kann eine Aula mit Mensa und Foyer sein – über eine Lehrküche an das benachbarte Haus der Jugend angeschlossen sein. Für die Gestaltung des Schulhofes müssen altersgemäße Zonen entwickelt werden, die Bewegung, Begegnung und Rückzug bieten müssen. Ganz wichtig ist den Planern die Vernetzung mit dem Stadtteil und den Bildungseinrichtungen wie der Kita oder dem Bürgerhaus Bornheide, das nur 300 Meter entfernt liegt. Bislang gibt es wenige Kooperationen, diese sollen intensiviert werden.