Innenbehörde

Hamburger Polizei gründet „Soko Einbrecher“

Kampfansage gegen Einbrecher: Mit großem Personaleinsatz, aktuellen Lagebildern und besserer Spurensicherung soll Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen in Hamburg erhöht werden.

Hamburg. Knapp 7000 Wohnungseinbrüche und fast 15.500 gestohlene Fahrräder im vergangenen Jahr – Innensenator Michael Neumann ist das deutlich zu viel. Der SPD-Politiker hat der Polizei beauftragt, die sogenannten schweren Diebstähle einzudämmen und die Aufklärungsquote zu verbessern. Durch eine jetzt eingerichtete Sonderkommission unter Leitung des Kriminaldirektor Helmut Süßen soll hamburgweit die Bekämpfung der Einbruchskriminalität und des Fahrraddiebstahls deutlich verstärkt werden.

Es ist ein ganzes Maßnahmenpaket, das die Polizei plant, um die Zahl der „besonders schweren Diebstähle“ zu senken. Besonders hat die Polizeiführung dabei neben den Wohnungseinbrüchen und Fahrraddiebstählen auch die Einbrüche in Keller und Böden im Visier. Die jetzt zunächst für zwei Monate eingesetzte Sonderkommission soll auf der strategischen Ebene arbeiten und die Maßnahmen koordinieren. Bei der Soko ist man auch für ein Lagebild zuständig, in dem nicht nur die aktuellen Tatorte und Schwerpunkte, sondern auch sonstige polizeiliche Erkenntnisse einfließen. „Dieses täglich modifizierte Lagebild ist dann die Entscheidungsgrundlage, wo und wann welche Kräfte eingesetzt werden“, sagt ein Beamter.

Dabei kann die Einsatzleitung personell aus dem Vollen schöpfen. Nicht nur die einzelnen Polizeireviere müssen Beamte bereitstellen. Auch zwei Einsatzzüge sind durchgängig im Rahmen des Konzeptes eingesetzt. Darüber hinaus können Zusatzkräfte von der Bereitschaftspolizei angefordert werden. Bei der Kripo sollen die dem LKA 433 (Trickdiebstahl) zugehörigen Fahndungsgruppen zeitweise aufgestockt werden, um für die Sonderkommission zu arbeiten. Zusätzliche Beamte bekommen sie vom Kriminaldauerdienst. In den kommenden zwei Monate sind auch drei Großaktionen geplant, die sich gegen Wohnungseinbrecher und Fahrraddiebe richten. Vorgesehen sind zudem präventive Aktionen.

Nicht nur viel Personal soll im Rahmen des Konzeptes zum Einsatz kommen. Durch die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und eine umfangreichere Spurensicherung sowie die Ausschöpfung der rechtlichen Möglichkeiten sollen Täter besser erkannt und Serien zusammengeführt werden. Unter anderem sollen die „Top 10“ der in Hamburg bekannten Einbrecher definiert werden. „Die Erkenntnis, dass wenige Täter für einen Großteil der Taten verantwortlich sind, ist nicht neu“, so ein Polizist. „Daher macht es Sinn, sich dieser Spitzengruppe besonders zu widmen.“ Vermutlich stecke sie hinter deutlich mehr Taten, als ihr zugeordnet werden können. Zudem sollen die reisenden Tätergruppen, auf deren Konto ein erheblicher Teil der in Hamburg verübten Einbrüche gehen dürfte, besser unter Kontrolle gebracht werden. Auch hier hat die Polizei spezielle Konzepte entwickelt, die aus kriminaltaktischen Gründen geheim bleiben. In jedem Fall will man noch genauer prüfen, ob den Tätern eine Gewerbsmäßigkeit oder ein bandenmäßiges Vorgehen angelastet werden kann. Auch die Hintermänner, die Handlanger auf Einbruchstour schicken, will man als Anstifter der Tat intensiver verfolgen.

Damit eine Zuordnung der Tatorte besser klappt, hat man beim Landeskriminalamt bereits den Einsatz der Spurensicherung ausgeweitet. Mittlerweile werden an Einbruchsorten die Möglichkeiten der Kriminaltechnik ausgeschöpft. Damit will man einem Täter unter Umständen mehrere Einbrüche zuordnen können. „Bislang war es oft so, dass man bei der Festnahme eines Einbrechers ahnte, dass auch die kurz zuvor in der Umgebung begangenen Einbrüche auf sein Konto gehen, vor allem wenn der Modus Operandi identisch ist.“ Diese Vermutungen sollen jetzt verifiziert werden können. So dürfte die Aufklärungsquote bei Einbrüchen, die bislang bei 7,2 Prozent liegt, steigen.

Das die Sonderkommission nach zwei Monaten aufgelöst wird, ist unwahrscheinlich. Man denkt schon über eine Optimierung nach. Die Erfahrungen sollen ausgewertet werden und in das unter dem Schlagwort „HDE 2.0“ weitergeführte Konzept einfließen. Bislang geht man davon aus, dass die schwerpunktmäßige Bekämpfung der schweren Diebstahlskriminalität bis Dezember fortgeführt wird.