Nach Unglück in Bangladesch

Opfer von Fabrik-Einsturz setzt Protestzug in Hamburg fort

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Shila Begum war 16 Stunden unter den Trümmern begraben, nachdem das Hochhaus einstürzte. Jetzt protestiert sie in der Hansestadt vor KiK und Benetton. Immer noch warten Opfer auf Entschädigungen.

Hamburg. Die Textilarbeiterin Shila Begum (26) aus Bangladesch, Überlebende des Fabrikeinsturzes vor knapp einem Jahr, protestierte am Freitag in Hamburg gegen die Produktionsbedingungen in der Textilindustrie in ihrem Land. Es fanden Aktionen vor KiK in St. Georg (15 Uhr) und vor Benetton in der Altstadt (16 Uhr) statt. Anschließend wird sie um 18 Uhr im Museum der Arbeit über ihre Erfahrungen berichten. Begleitet wird sie von ihrer Gewerkschaftskollegin Safia Parvin, teilte das Frauenwerk der Nordkirche mit.

Während ihres Besuchs am Donnerstag in Frankfurt (Main) forderte Begum umfassende Entschädigungszahlungen der westlichen Modefirmen. Diese sollten noch vor dem Jahrestag am 24. April erfolgen. „Ich bin bereit, so lange zu kämpfen, bis alle Rana-Plaza-Opfer endlich entschädigt sind.“ Begum lag nach dem Einsturz 16 Stunden lang unter den Trümmern begraben, bis sie gerettet wurde. Sie erlitt bei dem Einsturz schwere Verletzungen am Arm und am Unterleib und ist seitdem arbeitsunfähig. Derzeit reist sie auf Einladung der Kampagne für Saubere Kleidung und weiterer Organisationen durch Europa.

Bei dem schwersten Fabrikunglück in der Textilindustrie kamen in der Hauptstadt Dhaka mehr als 1.130 Menschen ums Leben, mehr als 1.500 wurden zum Teil schwer verletzt. Den Überlebenden und den Familien der Toten fehle es an materieller und medizinischer Hilfe, sagte Begum. „Ich brauche ärztliche Behandlung, und ich habe Träume für mein Kind.“ Ohne Entschädigung könne sie sich und ihre zehnjährige Tochter nicht versorgen.

In den internationalen Entschädigungsfonds seien bisher erst knapp elf Millionen Euro eingezahlt worden, erklärte Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung. Um die nötigen Zahlungen für medizinische Kosten und Lohnausfälle zu zahlen, seien aber rund 30 Millionen Euro notwendig.

Vor allem 28 westliche Firmen, die Kleidung von den Rana-Plaza-Fabriken bezogen, seien zu substanziellen Beiträgen aufgefordert. Dazu zählen nach Angaben von Banse deutsche Unternehmen wie KiK, Adler Modemärkte, NKD, KANZ/Kids Fashion und Güldenpfennig. Aber auch auf dem hiesigen Markt sehr präsente Firmen wie Mango, Benetton, C&A oder Primark seien Kunden in einer der Fabriken des Rana-Plaza-Hochhauses gewesen.

( (epd) )

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