Schüler machen Zeitung

Taubblind – das fühlt sich an wie ein Leben im Gefängnis

Stellen Sie sich vor, Sie würden ein ganzes Leben lang nichts sehen und nichts hören. Wie fühlen Sie sich? Sie stehen an einer Ampel und wollen die Straße allein überqueren. Leuchtet die Ampel rot oder grün? Fährt gerade ein Rettungswagen vorbei? Sie bekommen Herzklopfen, werden nervös und hoffen, das Ihnen nichts passieren wird. Oder Sie sitzen zu Hause und erwarten Besuch. Die Klingel können Sie nicht hören, eine Lichtklingel nützt Ihnen auch nichts. Sie möchten sich gerne mit anderen Menschen unterhalten. Aber wie? Die meisten können das Alphabet, bei dem in die Hand getippt wird – das Lormen – nicht.

Für die Straße bekommen Sie eine Assistenz, die Sie begleitet. Der Klingelton wird Ihnen über ein Vibrationsgerät übertragen. Die Kommunikationssituation lässt sich weniger gut lösen. Die meisten Gehörlosen, denen ja nur einer der Sinne fehlt, beherrschen das Handalphabet der Taubblinden nicht. Auch in der Arbeitswelt sind Taubblinde stark eingeschränkt. Eine Braille-Tastatur am Computer ermöglicht zwar das Eintippen. Aber wie soll ein taubblinder Mensch die Informationen auf dem Bildschirm aufnehmen? Technische Hilfen sind teuer. Assistenzen müssen bezahlt werden. Blinde bekommen Blindengeld, Taubblinde nicht.

In Deutschland leben etwa 10.000 Taubblinde und Hör-Sehbehinderte. Sie leiden doppelt so stark wie „nur Blinde“ oder „nur Gehörlose.“ Das ist hart. Deshalb fand im Oktober 2013 in Berlin eine Demonstration von Taubblinden statt. Sie forderten mehr Geld und mehr Assistenz für Taubblinde, ein Merkzeichen für Taubblinde im Schwerbehindertenausweis. Die Politiker haben die Demo ignoriert. Es gab keine Reaktion. Taubblinde fühlen sich trotz Inklusion isoliert. Denken Sie noch einmal an die Ampel, an die Haustürklingel, an Gesprächssituationen. Es fühlt sich an wie ein Gefängnis.