Kinderbetreuung in Hamburg

Eltern sparen bis zu 2304 Euro pro Jahr

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Elisabeth Jessen

Fünfstündige Kinderbetreuung komplett kostenfrei. Damit setzt der SPD-Senat zum 1. August einen zentralen Punkt seines Regierungsprogramms um.

Hamburg. Ein halbes Jahr müssen sich Eltern in Hamburg noch gedulden, dann löst die SPD ein weiteres großes Wahlversprechen ein, das sie in ihrem Regierungsprogramm festgeschrieben hat: Die fünfstündige Betreuung in Kitas und in der Tagespflege wird für Familien ab dem 1. August 2014 kostenlos. Das bedeutet eine Ersparnis von bis zu 2304 Euro im Jahr für Eltern mit einem Kind, die den Höchstsatz der Kita-Gebühren zahlen, mindestens aber 324 Euro für Geringverdiener, die nur den Mindestsatz bezahlen müssen.

„Dies wird selbstverständlich auch für die Kindertagespflege gelten“, sagt Sozialsenator Detlef Scheele (SPD). Insgesamt werden etwa 59.000 Hamburger Kinder einen Vorteil durch die Neuregelung erhalten. „Diese profitieren entweder von der vollständigen Beitragsbefreiung oder bei Inanspruchnahme längere Betreuungszeiten von deutlich reduzierten Elternbeiträgen“, sagt Behördensprecherin Nicole Serocka dem Hamburger Abendblatt.

Bezahlen müssen Eltern künftig nur für jene Stunden, die über die fünfstündige Betreuung hinausgehen. Auf die Stadt Hamburg kommen durch die Neuregelung erhebliche Kosten zu – für 2014 etwa 30,7 Millionen Euro, für 2015 etwa 75 Millionen Euro. Der Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung (LEA) begrüßt die künftige Gebührenfreiheit, „die Qualität darf aber nicht zu kurz kommen“, sagt Angelika Bock vom LEA-Vorstand. Innerhalb des LEA gebe es auch Stimmen, die das Geld, das der Senat jetzt ausgibt, lieber in den Qualitätsausbau gesteckt hätten, sagt Bock.

Hamburg hat sich den Ausbau der Kindertagesbetreuung in den vergangenen Jahren sehr viel Geld kosten lassen. Die Stadt stellt 2014 für die Kindertagesbetreuungsleistungen in Kitas und Kindertagespflege (ohne Hortbetreuung) insgesamt 562,5 Millionen Euro bereit. Die Ausgaben haben sich gegenüber 2008 um 229 Millionen Euro (69 Prozent) erhöht. Das letzte Kita-Jahr, beziehungsweise der Besuch der Vorschule vor der Einschulung, ist bereits seit September 2009 beitragsfrei. Für Kinder ab einem Jahr gibt es zudem seit August 2013 bundesweit einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Dieser gilt für alle Kinder, unabhängig davon, ob die Eltern berufstätig sind. Mütter und Väter von Kindern unter einem Jahr profitieren ebenfalls von der neuen Kostenbefreiung, allerdings bekommen nur jene Babys einen Betreuungsplatz, deren Eltern beide berufstätig oder in Ausbildung sind, oder die einen Deutsch-Sprachkursus oder Integrationskursus besuchen.

Die Wahlfreiheit bei der Betreuung ihres Nachwuchses ist für Eltern so groß wie nie zuvor. Derzeit gibt es in Hamburg 1037 Kitas sowie 1169 Tagespflegepersonen (Stand 31. Oktober 2013). Doch während die Zahl der Kitas in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen ist, ist die Zahl der Tagesmütter und -väter weiter rückläufig. „Dies wird vor allem auf die gestiegene Konkurrenz durch Krippenangebote sowie auf die gesteigerten Ansprüche an die Tagespflegepersonen im Zuge der Professionalisierung zurückgeführt“, sagt Nicole Serocka von der Sozialbehörde. Das beobachtet auch der Hamburger Tagesmütter und -väter e. V.: „Die Konkurrenz ist stärker geworden“, sagt Vereinsvorsitzende Anja Reinke. Die Tagesmutter Antje Radloff, die ebenfalls im Verein aktiv ist, hat das schon zu spüren bekommen. Als eine neue Kita in ihrer Nachbarschaft in Winterhude eröffnete, habe man versucht, drei ihrer Tageskinder abzuwerben. „Der Ton ist rauer geworden“, sagt sie.

Schwierig sei es für Eltern, wenn sie für ihre Kinder beizeiten einen Kindergartenplatz suchen, weil diese in absehbarer Zeit drei Jahre alt werden und in die Kita gehen sollen. „Die Eltern fangen ja sehr früh an, sich umzugucken. Da heißt es dann oft, jetzt sofort hätten wir einen Platz“, sagt Radloff. Ob der später noch frei sei, sei ungewiss. Damit verunsichere man Mütter und Väter. Dabei seien Eltern eigentlich inzwischen in der glücklichen Lage, sich einen Platz aussuchen zu können. „Das muss man ihnen klarmachen“, sagt Radloff, die seit 1999 als Tagesmutter arbeitet.

In Hamburg werden nach Angaben der Sozialbehörde 19.500 Kinder unter drei Jahren in Krippen betreut (Stand Oktober 2013), dazu kommen 44.100 Kinder im Elementarbereich (im Alter von drei Jahren bis zu Einschulung).

Dagegen ist nur ein kleiner Teil von Kindern in der Tagespflege – 2184 unter Dreijährige, 817 Kinder zwischen drei und sechs Jahren sowie 920 Kinder von der Einschulung bis zum 14. Lebensjahr. „Über die Kosten herrscht bei vielen Eltern Unklarheit“, sagt Antje Radloff, „wir sind etwas günstiger als Kitas, aber viele Eltern denken, das könnten sie sich nicht leisten.“ Viele Tagesmütter arbeiten nach Angaben des Vereins inzwischen in sogenannten Zusammenschlüssen, bei denen bis zu vier Tagespflegepersonen gemeinsam arbeiten, teilweise in extra angemieteten Räumen. „Es bleibt unser Ziel, die Kindertagespflege in Hamburg qualitativ und quantitativ voranzubringen“, schreibt Senator Scheele im Vorwort zum neuen Qualifizierungsprogramm. Er lässt den Worten auch demnächst Taten folgen: „Die Planungen sehen eine Erhöhung der Tagespflegefelder um 7,15 Prozent zum 1. April vor“, sagt Behördensprecherin Serocka.

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