Zwischenruf

Die Ente von der autofreien Stadt

Eine Glosse von Daniela Jaschob

Es ist eine kühne Vision und in Deutschland einzigartig: Die Stadt Hamburg plant, ihre Innenstadt von Autos zu befreien, stattdessen nutzen Fahrradfahrer die Straßen, und Spaziergänger genießen die abgasfreie Luft. Klingt gut? Fand ein Autor der renommierten britischen Tageszeitung „The Independent“ anscheinend auch und verfasste einen Artikel darüber.

In diesem beschreibt der Journalist ausführlich, wie Hamburg plant, seine Innenstadt von den CO2-Schleudern zu erlösen. Sogar ein konkretes Jahr wird im Artikel genannt: 2034. Doch die Sache hat einen Haken, denn der Journalist müsste schon in die Glaskugel geguckt haben, um zu wissen, dass Hamburg in 20 Jahren eine autofreie Stadt wird. Denn hier, immerhin 707 Kilometer vom englischen Festland entfernt, haben die Verantwortlichen noch nichts von einem derartigen Plan gehört.

Dennoch steht der Artikel des „Independent“ seit einer Woche im Internet, zieht unbeirrt seine Kreise – erst in Autoforen, dann in sozialen Netzwerken – und mittlerweile sind auch die BBC und selbst die chinesische Presse auf das Auto, pardon, den Zug aufgesprungen und schreiben über ein Hamburg, das viele Grünen-Politiker direkt in Rente schicken könnte, denn es gäbe dann ja kaum noch etwas für sie zu tun.

Die Umweltbehörde gibt unterdessen fleißig Dementis heraus. Woher der Mann vom „Independent“ die Information gehabt haben will, steht in den Sternen. Gesprochen haben will niemand mit ihm. Eine autofreie Hamburger City: Eine Woche lang schien das Realität zu sein. Fast überall auf der Welt, nur nicht in Hamburg.

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