Lampedusa-Flüchtlinge

1100 Menschen bei friedlicher Demo in der Innenstadt

Lautstark und farbenfroh richtete sich der Protest am Mittwoch gegen die Flüchtlingspolitik des Senats. „FC Lampedusa“ sagt Fußballturnier wegen Polizeipräsenz ab.

Hamburg. Rund 1100 Menschen haben am Mittwochnachmittag in der Hamburger Innenstadt gegen die Flüchtlingspolitik des Senats und die geplante Abschiebung der afrikanischen Lampedusa-Flüchtlinge protestiert. Um 17 Uhr setzte sich ein Demonstrationszug von der Adenauerallee in St. Georg über die Mönckebergstraße bis zum Jungfernstieg und zurück in Bewegung.

Lautstark demonstrierten die Teilnehmer mit Vuvuzelas, Sprechchören und Transparenten gegen die anhaltenden Polizeikontrollen der Afrikaner rund um die St.-Pauli-Kirche. Dabei blieb diesmal friedlich, die Polizei verzeichnete keine Zwischenfälle. Am Vorabend hatten Autonome in der Sternschanze bei einer nichtangemeldeten Demo randaliert und zehn Polizisten verletzt. Vereinzelt hielten sich auch am Mittwoch Kleingruppen von Linksextremisten bei der Demo in der Innenstadt auf.

Unterdessen hat der „FC Lampedusa“, die Fußballmannschaft der Libyen-Flüchtlinge in der St. Pauli-Kirche, seine geplante Teilnahme am Fußballturnier „Der Kult“ an diesem Sonnabend (19. Oktober) abgesagt. Anlass seien die zunehmenden Polizeikontrollen in den vergangenen Tagen, teilte der Turnier-Veranstalter „Laut gegen Nazis“ mit. Zu dem Turnier habe sich auch eine Mannschaft der Polizei Hamburg angemeldet. Damit sei der Sportpark Öjendorf für die Flüchtlings-Kicker „kein sicheres Gelände“ mehr, so der „FC Lampedusa“.

Der Veranstalter bedauerte die Absage. Das Fußballturnier „Der Kult“ stehe seit 14 Jahren für Vielfalt. Noch niemals habe eine Mannschaft aus politischen Gründen abgesagt. „Wir verstehen die Angst der Menschen, die hier in Hamburg Zuflucht gefunden haben“, so der Verein „Laut gegen Nazis“. Nach den Tagen der massiven Polizeikontrollen könne man durchaus von einer Einschüchterung der Flüchtlinge sprechen. „Auch bei uns stoßen die Maßnahmen der Stadt Hamburg, die hier verantwortlich ist, ganz klar auf Unverständnis“, hieß es. Fußball und Sport verbinde und sollte am 19. Oktober „ein Zeichen für eine gemeinsame Lösung der Probleme setzen“.

Die „Polizei Hamburg“ hatte den Angaben zufolge vor vier Wochen eine Mannschaft des „BSG Polizei Hamburg 1972 e. V.“ für das Turnier gemeldet. Dies sei anfangs für die später erfolgte Anmeldung des „FC Lampedusa“ kein Problem gewesen. „Wir verstehen die Ängste, obwohl wir davon ausgehen, dass die gemeldete Mannschaft der Polizei lediglich Fußball spielen möchte“, so „Laut gegen Nazis“. Man werde an dem Konzept des Turniers festhalten und weiter zu Spenden und Hilfe für die Lampedusa-Flüchtlinge aufrufen.