Hamburger Baumarktkette

Heute endet Bewerberfrist: Bietergefecht um Max Bahr

Angebotsfrist für die insolvente Hamburger Baumarktkette läuft ab. Konsortium um Ex-Chef Möhrle, Globus und weiterer Bieter im Rennen. Noch bis zum heutigen Dienstag können Investoren ihre Angebote einreichen.

Hamburg. Dirk Möhrle bekommt viele Mails in diesen Tagen. Mitarbeiter der insolventen Hamburger Baumarktkette schreiben dem Ex-Chef und früheren Miteigentümer, dass sie es durchaus begrüßen würden, wenn sich das Unternehmen bald wieder in Familienhand befände. „Ich erfahre viel Zuspruch, nicht nur vonseiten der Mitarbeiter, sondern auch von vielen Lieferanten“, sagt der 49-Jährige, der sich zusammen mit einem Konsortium um den Dortmunder Baumarktbetreiber Hellweg um den Zuschlag für das Traditionsunternehmen bemüht.

Seine frühere Verbindung zu Max Bahr und die langjährige Erfahrung in der Baumarktbranche dürfte der größte Vorteil sein, mit dem Möhrle im Bietergefecht um das Unternehmen punkten kann. Viele Mitarbeiter haben offenbar nicht vergessen, dass sich der Ex-Chef im Gegensatz zu seinem Vater Peter immer gegen den fatalen Verkauf der Kette an den Konkurrenten Praktiker ausgesprochen hatte. Das Bündnis der ungleichen Partner endete in einer schweren Krise und letztlich der Insolvenz von Mutter- und Tochtergesellschaft.

Ob Dirk Möhrles guter Ruf bei den Beschäftigten allerdings ausreicht, um letztlich den Zuschlag für Max Bahr zu erhalten, ist derzeit völlig offen. Denn im Kampf um die Kette, der jetzt in seine heiße Phase geht, dürfte vor allem der Preis zählen, den die Interessenten für die angeschlagene Baumarktkette mit rund 130 Märkten zahlen wollen. Und welche Zugeständnisse sie von den Gläubigern erwarten, um die Kette wieder in die schwarzen Zahlen zurückführen zu können.

Eine wichtige Rolle dürfte in diesem Zusammenhang die Royal Bank of Scotland spielen, größter Gläubiger des Max-Bahr-Vermieters Moor Park. Die Schotten sollen sich mit Mietkürzungen abfinden, um den Weiterbetrieb der Filialen zu ermöglichen.

Noch bis zum heutigen Dienstag können Investoren ihre verbindlichen Angebote für Max Bahr einreichen. Danach wird sich die Gläubigerversammlung mit den Schriftstücken auseinandersetzen. Eine Entscheidung könnte bereits in wenigen Tagen fallen, auch wenn sich die Insolvenzverwalter der Praktiker-Tochter offiziell bedeckt halten. Man gebe in diesem Verfahren grundsätzlich keine „Wasserstandsmeldungen“ ab, erklärte ein Sprecher der Verwalter Jens-Sören Schröder und Christopher Seagon.

Größte Gegenspieler Möhrles im Kampf um Max Bahr ist die saarländische Handelskette Globus, die sich ebenfalls offen zu einem Gebot für das Hamburger Traditionsunternehmen bekannt hat. Globus ist mit einem Jahresumsatz von fast 6,7 Milliarden Euro einer der größten, familiengeführten Einzelhändler Deutschlands.

Den größten Teil der Erlöse erwirtschaftet das Unternehmen zwar mit seinen Lebensmittelgroßmärkten in Deutschland, Tschechien und Russland. Doch das Baumarktgeschäft spielt bei Globus eine immer größere Rolle. So kaufte die Handelsgruppe im Jahr 2007 die Hela-Gruppe und verdoppelten auf diese Weise ihr Engagement im Do-it-yourself-Geschäft. Mit knapp 80 Märkten ist die Sparte aber immer noch klein genug, um nicht die Kartellwächter nach einer weiteren Übernahme auf den Plan zu rufen.

Um dem Interesse an Max Bahr größeres Gewicht zu verleihen, hat sich Globus auch die Unterstützung aus der Politik gesichert. Die saarländische Landesregierung befürwortet das Engagement, weil auf diese Weise der Fortbestand der ehemaligen Praktiker-Zentrale in Kirkel möglich wäre. Im Rahmen der Sanierung hatte die Max-Bahr-Muttergesellschaft ihren Sitz im vergangenen Jahr nach Hamburg verlagert, nur einige wenige Einheiten wie die Buchhaltung blieben im Saarland.

Neben Möhrle und Globus soll sich auch noch ein dritter strategischer Investor im Rennen um Max Bahr als Ganzes befinden, der Name ist allerdings nicht bekannt. Darüber hinaus gibt es auch eine Reihe von Interessenten, die sich um die Übernahme einzelner Märkte oder Standorte bemühen. „Wir haben bei den Insolvenzverwaltern Interesse an bis zu zehn Praktiker- und Max-Bahr-Standorten angemeldet, die wir mieten oder kaufen wollen, um weiße Flecken auf der Hornbach-Landkarte zu schließen“, sagte der Vorstandschef der Baumarktkette Hornbach, Albrecht Hornbach, dem „Tagesspiegel“. Im Rheinland, aber auch in Rostock, Hamburg und München gebe es noch Potenzial.

Sollte Hornbach die Immobilien übernehmen, könnten davon auch die Beschäftigten dieser Standorte profitieren. „Die Mitarbeiter, die vorher dort gearbeitet haben, hätten gute Chancen, wieder eine Stelle zu bekommen“, sagte Hornbach. An einer Komplett-Übernahme an Max Bahr habe man aber kein Interesse. „Wir wollen lieber organisch wachsen, statt auf eine Fusion zu setzen“, sagte der Manager. „Max Bahr passt auch konzeptionell nicht zu uns“, fügte Hornbach hinzu.