Schifffahrt

Bessere Abstimmung stärkt den Hamburger Hafen

Feeder Logistik Zentrale von HHLA und Eurogate fertigt dreimillionsten Container ab. Vorteil für regionale Liniendienste. Konkurrenz erwächst Hamburg durch Direktanläufe von Überseeschiffen in Ostseehäfen.

Hamburg. Bei der Abfertigung von Überseeschiffen sind die HHLA und Eurogate in Hamburg seit Jahrzehnten die härtesten Konkurrenten. Für die Bedienung des regionalen Zubringerverkehrs auf so genannten Feederschiffen aber taten sich beide Unternehmen im vergangenen Jahrzehnt zusammen. Die Gründung der Feeder Logistik Zentrale (FLZ) hat den gesamten Hafen deutlich vorangebracht – das jedenfalls ist das Zwischenfazit, das die Hafenwirtschaft gestern zog.

„Wir haben unsere Marktanteile bei den Feederverkehren zurückgewonnen, die wir nach dem Beginn der Finanzmarktkrise an andere Häfen in der Nordseeregion verloren hatten. Und wir gewinnen weitere Zubringerdienste hinzu“, sagte Stefan Behn, Vorstandsmitglied der HHLA, am Montag auf dem HHLA-Containerterminal Tollerort, dem Sitz der Feeder Logistik Zentrale. Peter Zielinski, Geschäftsführer des Hamburger Eurogate-Terminals, pflichtete ihm bei: „Die Liegezeiten für die Feederschiffe in Hamburg haben sich durch die Feeder Logistik Zentrale deutlich verkürzt. Das verbessert die Position des Hafens bei den regionalen Zubringerverkehren.“ Drei Millionen Container wurden unter Koordination der FLZ seit deren Gründung als eigenständige GmbH im Jahr 2009 bislang in Hamburg ver- oder entladen, 2012 waren es allein 600.000 Boxen.

Der regionale Zubringerverkehr vor allem in die Ostsee, aber auch nach Großbritannien und nach Island, ist ein wesentlicher Teil des gesamten Hamburger Hafengeschäfts. Von den Überseeschiffen werden die Container auf kleinere Frachter umgeladen. Insgesamt bedienen Zubringerunternehmen wie Unifeeder und Teamlines von Hamburg aus Woche für Woche 157 Ziele im europäischen Ausland. Besonders wichtig sind dabei die skandinavischen Länder sowie Finnland und Russland.

Nach dem Beginn der Welt-Finanzmarktkrise 2009 verlor Hamburg eine Reihe von Zubringerverkehren. International tätige Reedereien wie MSC oder Mærsk konzentrierten Feederdienste angesichts der schwächeren Auslastung auf Terminals, die sie selbst betreiben, in Rotterdam, Antwerpen, Zeebrugge und Bremerhaven. Hamburg reagierte, indem der Hafen die Effizienz bei der Abfertigung der Feederschiffe deutlich steigerte. Die Zunahme des gesamten Containerumschlags in Hamburg im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem gleichen Zeitraum 2012 führt die Hafenwirtschaft vor allem auf die Steigerung der Zubringerverkehre zurück. „Bei den Abfertigungszeiten verzeichnen wir Effizienzgewinne im zweistelligen Prozentbereich“, sagte FLZ-Geschäftsführer Heinrich Goller, ohne die eingesparten Zeiten genauer zu beziffern. Bis zu 460 Anläufe an die Hamburger Terminals koordinieren die zwölf Mitarbeiter der FLZ im Monat. Das entspreche etwa 60 Prozent aller Anläufe von Feederschiffen im Hafen, sagte Goller. „Wir arbeiten 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. Das ist lebensnaher Hafenbetrieb und keine Logistik-Theorie.“

Ein Feederschiff läuft in Hamburg im Schnitt vier Terminals an, um seine Ladung zu löschen und sie für die nächste Fahrt etwa in die Ostseeregion neu zu laden. Die logistische Herausforderung ist dadurch wesentlich größer als bei den Überseeschiffen, die jeweils an einem Terminal ent- und beladen werden. „Wenn es die Feeder Logistik Zentrale nicht gäbe, müsste sie schleunigst gegründet werden“, sagte Hafenkapitän Jörg Pollmann von der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority. Früher habe man die Kommunikation mit Zubringerschiffen vor allem über die Nautische Zentrale im Oberhafenamt abgewickelt – doch deren Aufgabe sei die Überwachung des gesamten Hafens. „Da riefen dann die Kapitäne der Feederschiffe an und fragten, an welches Terminal soll ich denn zuerst fahren?“, sagte Pollmann. „Das war absolut nicht optimal, sondern Mangelverwaltung. Heutzutage funktioniert das ausgezeichnet. Man weiß immer, welches Feederschiff für welche Rotation im Hafen wann und wo liegen soll.“

Aus Sicht der beteiligten Unternehmen und der Hafenverwaltung hilft die FLZ dem Hamburger Hafen auch, neue Herausforderungen besser zu meistern. Seit mehr als einem Jahr kommt es regelmäßig zu massiven Verspätungen bei Schiffen, die den Nord-Ostsee-Kanal durchfahren, die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt und Hamburgs wichtigste Anbindung auf dem Seeweg an die Ostsee. Die großen Schleusen in Brunsbüttel werden noch bis ins kommende Jahrzehnt hinein saniert und ausgebaut, weil sie völlig verschlissen sind. Auch die kleineren Schleusen in Brunsbüttel sowie die Anlagen in Kiel-Holtenau werden regelmäßig für Reparaturarbeiten gesperrt. Hinzu kamen in den vergangenen Wochen Streiks der Schleusenwärter, die von der Gewerkschaft Ver.di organisiert worden waren.

„Die Verzögerungen am Nord-Ostsee-Kanal berühren die Abläufe im Hamburger Hafen unmittelbar, denn die Ankunftszeiten der Schiffe aus der Ostsee sind damit viel schwieriger zu planen“, sagte Goller. „Wir schauen deshalb noch stärker als früher direkt auch in die Abläufe des Kanals hinein und nehmen das in unsere Koordination für die Hamburger Terminals mit auf.“

Neue Konkurrenz erwächst Hamburg durch Direktanläufe von Überseeschiffen in Ostseehäfen wie im polnischen Gdansk. „Die Antwort auf diese Entwicklung kann nur sein, Hamburg als Transithafen für die Reedereien noch schneller und attraktiver zu machen“, sagte HHLA-Vorstand Behn.