Immer mehr Hamburger brauchen im Alter Geld vom Staat

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Oliver Schirg

Dramatische Entwicklung: Zahl der Hilfeempfänger seit 2007 um 27 Prozent gestiegen. Vor allem Frauen sind betroffen

Hamburg. Wenn im Ruhestand das Geld nicht mehr reicht: Immer mehr Senioren aus Hamburg sind auf eine finanzielle Unterstützung durch den Staat angewiesen, um ihren Alltag zu bewältigen. Ende vergangenen Jahres hätten 20.925 Frauen und Männer über 64 Jahre sogenannte Grundsicherungsleistungen erhalten, teilte das Statistikamt Nord am Montag in der Hansestadt mit. Ziel sei die „Sicherstellung der laufenden Lebensführung“.

Im Vergleich zum Jahr 2011 sei die Zahl der Bedürftigen um sechs Prozent gestiegen. Vergleiche man die aktuellen Daten mit Zahlen aus dem Jahr 2007, so sei ein Anstieg von 27 Prozent zu erkennen, erklärte das Statistikamt. Insgesamt waren den Angaben zufolge im vergangenen Jahr sechs Prozent aller Rentnerinnen und Rentner in Hamburg auf staatliche Hilfe angewiesen.

Frauen benötigen im Alter öfter staatliche Unterstützung als Männer. So waren 57 Prozent der Unterstützten Frauen. Altersarmut ist zudem ein besonderes Problem von Menschen, die bereits während ihrer berufstätigen Zeit schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hatten. So hätten 28 Prozent der Hilfeempfänger unmittelbar vor ihrem Eintritt in die Rente Arbeitslosengeld II bezogen, so die Statistikbehörde. 29 Prozent der Betroffenen hätten zuvor Sozialhilfe in Form von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt erhalten.

Der Gesundheitsbehörde zufolge leben derzeit in Hamburg rund 421.000 Menschen, die älter als 60 Jahre sind. Das heißt, fast jeder vierte Einwohner Hamburgs gilt umgangssprachlich als Senior. Prognosen sagen voraus, dass sich die Situation in den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten deutlich verändern wird. Spätestens im Jahr 2030 wird demnach jeder dritte Hamburger älter als 60 Jahre sein.

Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) verwies darauf, dass eine gute Ausbildung der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit und somit vor Altersarmut sei. „Deshalb investiert der Senat in frühkindliche Bildung, eine ganztägige Betreuung an Schulen und in die Jugendberufsagentur.“ Zudem verfüge die Hansestadt über ein Mindestlohngesetz für die öffentliche Verwaltung und zahle dort 8,50 Euro pro Stunde.

Die oppositionellen Grünen kritisierten, dass immer mehr Menschen im Alter die Armut drohe. Die sozialpolitische Sprecherin Katharina Fegebank forderte einen flächendeckenden Mindestlohn und eine Garantierente. „Altersarmut ist unter anderem das Resultat von niedrigen Löhnen, lückenhafter Beschäftigung, Teilzeitarbeit, Minijobs und Leiharbeit.“

Die finanzielle Situation der Senioren in Schleswig-Holstein ist der in Hamburg vergleichbar. Dem Statistikamt Nord zufolge haben im vergangenen Jahr 17.433 Schleswig-Holsteiner, die älter als 64 Jahre sind, Grundsicherungsleistungen erhalten. Das waren gut fünf Prozent mehr als im Jahr 2011 und 26 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor.

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