Gott und die Welt

Wenn junge Leute ihre Eindrücke live teilen

50 junge Leute aus Hamburg haben sich auf den Weg gemacht. Über ihren Internet-Blog kenne ich sogar einige Gesichter und Vornamen: Riccarda und Marie, Philipp und Clemens. Sie sind nach Rio de Janeiro, Brasilien, zu den Weltjugendtagen gefahren und lassen uns nun „live“ per Blog teilhaben an ihren Eindrücken und Erlebnissen dieser gewaltigen religiösen Zusammenkunft.

Den Anstoß zu dieser Bewegung hatte Papst Johannes-Paul II. gegeben beim ersten Weltjugendtag 1984 in Rom. Er hatte über die Jugendtage eine so beeindruckende Nähe zu den jungen Leuten gefunden, dass er im Sterben die jugendliche Menge auf dem Petersplatz mit dem Satz bewegt haben soll: „Ich habe euch besucht, jetzt seid ihr zu mir gekommen!“

Der jetzige Papst Franziskus baut darauf auf – und scheint die Bewegung der jungen Leute im buchstäblichen Sinne noch zu beschleunigen. So hat Clemens aus der Hamburger Gruppe blitzschnell und offenbar mit großem Spaß den ungeplanten Trip des Papstes im Kleinwagen durch Rio auf dem Handy gefilmt – einschließlich der ins Schwitzen gekommenen Sicherheitsleute. Auch mir bereitet diese kleine Episode viel Freude, denn sie ist offenbar nicht nur ein listiger Schabernack eines gut gelaunten Kirchenfürsten, sondern vor allem Ausdruck seiner besonderen Beweglichkeit und Offenheit für andere Wege. Etliche Gesten und Symbole in seiner Kleidung, seinem Auftritt, seiner Wohnung werden von vielen als eine wohltuende Bewegung wahrgenommen. Die symbolische Fußwaschung des Zwölferkreises am Gründonnerstag mit Frauen und Andersgläubigen ließ viele überrascht nachsinnen – und der weltweite Beraterkreis für Fragen von Struktur und Verwaltung des Vatikans gewinnt zunehmend Kontur. Die deutlichen Worte und Zeichen in Lampedusa haben sogar eine unmittelbare Bedeutung bis hinein in die Hamburger aktuelle Flüchtlingssituation.

So werde ich weiter im Blog verfolgen, was unsere jungen Leute in Rio bewegt und wünsche ihnen weiter gute Erfahrungen miteinander und mit dem Papst!

Und vielleicht macht die Frische dieser Begegnung in Rio ja auch manchem griesgrämigen Kirchenmenschen oder enttäuschtem Kirchenskeptiker hier bei uns wieder Mut, so dass er erstaunt über die jugendliche Kirche in Rio murmelt: „Und sie bewegt sich doch!“

E-Mail: DompfarrerMies@domgemeinde-hamburg