St. Pauli

Razzia in Hanfsamen-Shop auf der Reeperbahn

Laut der Staatsanwaltschaft bestehe ein Anfangsverdacht wegen des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln.

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Knapp zwei Wochen nach der Eröffnung haben Beamte am Dienstag die Räume von Mediseed durchsucht. Die Automaten mit den Cannabis-Samen wurden sichergestellt.

Hamburg. Veronique Wichmann glaubte sich auf der sicheren Seite. In ihrem neuen Geschäft Mediseed auf der Hamburger Reeperbahn verkaufte die 39-Jährige Cannabis-Samen aus dem Automaten - ausschließlich zu medizinischen Zwecken, wie sie noch vor gut einer Woche betonte.

Elf Tage nach der Eröffnung von Mediseed, wurde der Shop am Dienstag von der Polizei durchsucht. Die Beamten stellten alle Automaten sicher. Laut Staatsanwaltschaft besteht ein Anfangsverdacht wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln. Das Betreiberehepaar war bereits in der Vergangenheit wegen des Handels mit Drogen mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Diesmal bewegten sie sich mit Mediseed in einer rechtlichen Grauzone. Kunden benötigten laut einem Hinweisschild in dem Geschäft eine medizinische Ausnahmegenehmigung, um die Cannabis-Samen an den Automaten erwerben zu dürfen. Damit akzeptiere der Kunde gleichzeitig, "die erworbenen Produkte nicht gesetzeswidrig zu verwenden".

Offiziell wollte Mediseed so schwerkranken Menschen helfen, die ihre Schmerzen mit dem in Cannabis-Pflanzen enthaltenen Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) lindern. "Anders als in der Apotheke stehe ich hier nicht in der Pflicht, mich nach einer Ausnahmegenehmigung zu erkundigen. Das wäre mir auch unangenehm, jeden Kunden nach seinen persönlichen Hintergründen zu fragen", sagte Wichmann damals.

Bisher dürfen Betroffene zwar Cannabis erwerben, aber nicht selbst anbauen. Unklar ist auch, ob der Hanfsamen verkauft werden darf. Er enthält zwar kein THC, die Pflanzen aber schon. Die Staatsanwaltschaft hatte schon kurz nach der Eröffnung eine Überprüfung dieses Geschäftsmodells angekündigt.