Heimkehr der „Peking“ droht zu scheitern

Den Initiatoren fehlt noch eine Million Euro. In New York könnte der Hamburger Großsegler jetzt versteigert und verschrottet werden

Hamburg . Er ist der weltweit letzte verfügbare Viermaster aus der Reihe der legendären Flying-P-Liner der Hamburger Reederei F. Laeisz. Liebhaber des Windjammers wollen ihn als Museumsschiff nach Hamburg zurückholen. Jetzt sind die Bemühungen um die Rückführung der „Peking“ vorerst gescheitert.

„Wir brauchen zwei Millionen Euro für erste Sanierungsmaßnahmen und eine Million, um das Schiff aus New York per Dockschiff nach Hamburg zu überführen“, sagt Reinhard Wolf, Syndikus bei der Handelskammer und seit Jahren zusammen mit Partnern privat darum bemüht, die „Peking“ an die Elbe zu holen. „Zwei Millionen Euro sind zugesagt, eine Million fehlt uns noch, weil eine Spende kurzfristig nicht bereitgestellt werden kann.“

Und Wolf hat Zeitdruck. Denn die „Peking“ liegt im New Yorker Stadtteil Manhattan im Southstreet Seaport Museum. Dieses ist jetzt insolvent und verlor Anfang des Monats die Verfügungsgewalt über den Viermaster an einen Insolvenzverwalter. Während sich das Museum bereit erklärt hatte, die „Peking“ Hamburg zur Nutzung als Museumsschiff zu schenken, könnte das Schiff nun in den USA versteigert und verschrottet werden. „Das Schiff hat einen Schrottwert von 400.000 US-Dollar“, sagt Reinhard Wolf. Aber ebenso viel müsse investiert werden, um es zum Abwracken schleppen zu können.

Der Segler habe den Hurrikan „Sandy“ im Oktober unbeschädigt überstanden, und nun sei es sehr schade, dass Transport und Reparatur der „Peking“ scheitern könnten, weil Geld fehle. „Hamburg wird so einen wichtigen Teil seiner maritimen Geschichte unwiederbringlich verlieren“, gibt Reinhard Wolf zu bedenken. „Uns fehlt ein weiterer Mäzen, der bereit ist, eine Million Euro für die maritime Geschichte unserer Stadt bereitzustellen.“

Die „Peking“ liegt seit Mitte der 70er-Jahre als Museumsschiff im damals neu eingerichteten Southstreet Seaport Museum in Manhattan. Nachdem das Museum mit der Bark „Wavertree“ einen weiteren Rahsegler mit direktem historischen Bezug zu New York bekam, verlor es das Interesse an der „Peking“, die dann mangels Instandhaltung mehr und mehr verkam. Mit dem Konzept, die Peking zum Flaggschiff eines umfassenden Hafenmuseums in Hamburg zu machen, konnte Wolf schließlich erreichen, dass sich das New Yorker Museum bereit erklärte, das Schiff nach Hamburg zu verschenken.

Denn die „Peking“ ist im New Yorker Hafen im Weg. An ihren Liegeplatz an Pier 16 soll die „Wavertree“ verholt werden. An deren derzeitigem Platz an Pier 15 will die Stadt New York einen City-Hafen einrichten und die Liegeplätze verkaufen.

Die etwa zwei Millionen Euro teure Instandsetzung des Rumpfes der „Peking“ sollte bei Blohm + Voss in Hamburg ausgeführt werden, wo das Schiff 1911 gebaut wurde. Nachdem sich im Herbst 2012 herausgestellt hatte, dass die Werft dies nicht zum Festpreis ausführen kann, musste das Projekt zunächst abgesagt werden. „Sowohl eine andere deutsche Werft als auch eine Werft aus Kaliningrad erklärten ihre Bereitschaft zu einem Festpreis-Angebot für die Reparatur, zusätzlich sagte ein weiterer Hamburger Kaufmann eine Millionenspende zu“, sagt Reinhard Wolf.

In den vergangenen Monaten wurde die „Peking“ von Werftingenieuren in New York untersucht und deren Reparaturfähigkeit bestätigt. Weil der Zustand des Schiffs einen Transport auf eigenem Kiel nicht erlaubt, muss die Überführung an Bord eines Dockschiffs erfolgen, auch hierfür liegt ein Angebot vor.

Laut Reinhard Wolf drängt die Zeit. „Innerhalb der nächsten zwei Wochen müssen wir Klarheit haben, denn der Insolvenzverwalter in New York will das Schiff loswerden und meistbietend verkaufen.“ Angesichts ihres technischen Zustands drohe der „Peking“ der maritime Schrottplatz. In Hamburg dagegen würde für den Segler eine eigene Stiftung gegründet, die den dauerhaften Betrieb als Museumsschiff sicherstelle. Liegeplatz wäre am Bremer Kai vor Schuppen 51 A in Sichtweite der Elbphilharmonie als Teil des dort geplanten Hafenmuseums Hamburg. „Der imposante Anblick des gut 100 Meter langen ‚Hamborger Veermasters‘ würde zugleich die Wahrnehmung des Museums von der HafenCity aus deutlich erhöhen und könnte zum neuen maritimen Wahrzeichen der Stadt werden“, ist Reinhard Wolf überzeugt.

Auch das Herz der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Melanie Leonhard hängt an der „Peking“. „Es täte mir leid, wenn das Schiff nicht nach Hamburg zurückkehren kann“, sagte die promovierte Schiffshistorikerin, die sich die „Peking“ in New York im vergangenen Jahr privat angesehen hat, dem Abendblatt. Aber Leonhard weiß auch: „In diesen Zeiten ist es schwierig, für so ein Projekt Geld aufzutreiben.“ Die Wirtschaftsbehörde hat denn auch angekündigt, dass sich die Stadt „in keiner Weise“ finanziell engagieren werde.