Niedersachsen

Mehr Durchblick für die Politik

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Ludger Fertmann

Die 137 Abgeordneten im niedersächsischen Landtag sollen künftig den Durchblick haben. 48 Millionen Euro sind für den Umbau veranschlagt. Der Zeitplan der Bauarbeiten ist durchaus ehrgeizig. Auch eine Kita soll entstehen

Hannover Die 137 Abgeordneten des niedersächsischen Landtages werden künftig endlich Durchblick haben: Der fensterlose Plenarsaal im Leineschloss in Hannover wird durch einen Neubau ersetzt, der die hohen Fenster an der Längsseite des Gebäudes einbezieht. Einen „Plenarsaal mit Stadtbezug“ nennen das die Planer. Von außen allerdings bleibt alles beim Alten – und damit die Fassade des denkmalgeschützten Baus aus den frühen 1960-er Jahren erhalten.

Ein sichtlich aufgeräumter Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) hat am Mittwoch in Hannover die Grobplanung für den Umbau vorgestellt. Die se hatte die Baukommission des Landtages, in der alle vier Fraktionen prominent vertreten sind, am Vorabend abgenickt. Damit könnte Busemann gelingen, woran alle seine Vorgänger in den vergangenen 15 Jahren gescheitert sind. Es gab mehrere Architektenwettbewerbe, endlose Diskussionen und am Ende dann doch nie den erhofften Startschuss für die Bauarbeiten. Zuletzt hatte Busemanns Vorgänger Hermann Dinkla zwar 2010 eine breite Mehrheit für einen kompletten Neubau organisiert, aber als dann schon in der Planungsphase die Kosten von 45 Millionen auf rund 70 Millionen Euro stiegen, machte das Parlament 2012 einen Rückzieher.

Jetzt kommt also der Neubau im Altbau und der ist auch dringend erforderlich. Das Dach ist marode, das gilt auch für die Abflussrohre im Keller, weshalb es im fensterlosen alten Plenarsaal regelrecht stinkt. Und im Eingangsbereich des Landtages – im wieder aufgebauten Leineschloss – sind die Fensterfronten des riesigen Foyers zum Innenhof so brüchig, dass sie mit Stoff bespannt werden mussten: Die Scheiben drohten aus ihren Rahmen und Politikern und Besuchern auf den Kopf zu fallen.

Jetzt gibt es hier bald ein neues Glasdach und darunter künftig ein Bistro. Und über der Lobby vor dem Plenarsaal wird ebenfalls die Decke geöffnet für mehr Licht.

Während der eigentlichen Bauarbeiten werden die Plenarsitzungen in einem wesentlich kleineren Saal in einem der Nebengebäude stattfinden. Hier muss erst einmal eine Klimaanlage eingebaut werden. Auch Besprechungsräume müssen her und es gibt einen Tablet-PC für jeden Abgeordneten, weil die Tische der Abgeordneten im provisorischen Plenarsaal nur 30 Zentimeter breit sein werden. Allein diese Vorphase des Umbaus wird knapp drei Millionen Euro kosten und soll im Sommer 2014 abgeschlossen sein.

Und der eigentliche Umbau wird dann erst recht zu einer Herausforderung für die Planer und Handwerker. Landtagspräsident Busemann möchte um jeden Preis vermeiden, dass die nächste Landtagswahl auf einer überdimensionalen Baustelle stattfindet. „Das ist ein ehrgeiziger Zeitplan“, sagt Busemann – aber er vertraut sowohl den eigens engagierten zehn Fachplanern, dem staatlichen Baumanagement und den Experten des Architekturbüros Blocher Blocher Partners aus Stuttgart sowie den Projektsteuerern von ARCADIS aus Hannover. Im Spätherbst 2017 soll das Parlament wieder umziehen.

45 Millionen Euro hat der Landtag im Jahr 2009 als Kostenrahmen für den Umbau beschlossen, von rund 48 Millionen Euro wird jetzt ausgegangen. Aber über diesen Inflationsausgleich hinaus soll es nicht teurer werden, versichert der Landtagspräsident: „Die Baukommission versteht sich auch als Kostenkontrollorgan.“

Der Neubau im Altbau verschafft den Abgeordneten deutlich mehr Platz, der Saal wächst von 425 auf dann 650 Quadratmeter. Vielleicht noch wichtiger bei den neuen Plänen: Die Abgeordneten müssen sich nicht länger den Vorwurf gefallen lassen, in eigener Sache den Denkmalschutz auszuhebeln, dem sich kein privater Hausbesitzer entziehen kann. Gegen den Neubau hatten deshalb der Heimatbund und Bürgerinitiativen energisch Front gemacht und auch die Witwe des Architekten Dieter Oesterlen drohte, vor Gericht zu ziehen gegen den Landtag. Dessen Präsident Busemann hofft nun, dass es gelingt, für die neuen Pläne deren Zustimmung zu bekommen und er verspricht: „Planerisches Ziel ist es, dass in seiner äußeren Gestalt zu erhaltende Plenargebäude im Inneren nach den gewachsenen Bedürfnissen des Landtages im Geist der Architektur Oesterlens neu zu interpretieren.“ Damit dieses Mal nichts schief geht, hat er außerdem sowohl mit den Vertretern des Denkmalschutzes als auch mit dem Vertreter der Urheberrechtsinhaber, der Familie Oesterlen, gesprochen.

Zum neuen Projekt gehören hohe Anforderungen für die Isolierung des Gebäudes, Barrierefreiheit und die Einhaltung aller tarifvertraglichen Bestimmungen durch die beauftragten Firmen. Künftig soll es auch Räume für Kinderbetreuung geben.

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