Britische Kanzlei

Hamburger Theaterchef holt Anwälte an die Alster

Britische Kanzlei Osborne Clarke entscheidet sich für Hamburg. Schmidts-Tivoli-Gesellschafter Norbert Aust als Partner. Themen der Kanzlei sind unter anderen Logistik, Verkehr und erneuerbare Energien.

Hamburg. Früher Abend im 20. Stock der Tanzenden Türme. Auf der einen Seite blickt man durch die großzügigen Fenster auf die Reeperbahn, auf der anderen schimmert die Elbphilharmonie in der Sonne. Kaum Wände, die Räume der rund 1400 Quadratmeter großen Fläche der britischen Anwaltskanzlei Osborne Clarke sind meist nur durch Glasscheiben abgetrennt. Die Wege sind kurz, die Kommunikation zwischen den Anwälten kann auch durch Zuruf funktionieren. Abgetrennt davon gibt es für die Mandanten einen großzügigen öffentlichen Lounge-Bereich mit vielen Besprechungstischen, die je nach Bedarf zum Stehtisch oder niedrigen Pult umfunktioniert werden können, sowie Konferenzräume.

Norbert Aust, ein Hamburger Jurist mit Professorentitel, sitzt in seinem großzügigen Büro. An der einzigen richtigen Wand hängt ein Gemälde. „Noch sind wir nur zehn Anwälte, aber es werden mehr“, sagt er. Osborne Clarke wurde vor 265 Jahren in Bristol gegründet und ist damit eine der ältesten Kanzleien der Welt. Die Briten haben Aust und seine Gründungspartner Isabella Niklas, David Plitt und Christoph Torwegge beauftragt, eine Hamburger Dependance als dritten deutschen Standort neben Köln und München aufzubauen. Er hat zugesagt, obwohl er vor wenigen Wochen seinen 70. Geburtstag gefeiert hat – was man ihm nicht ansieht. „Mich reizt das Angebotsspektrum von Osborne Clarke. Die Themen der Kanzlei, etwa Logistik und Verkehr, erneuerbare Energien, Baurecht, digitale Wirtschaft oder Life-Science entsprechen genau den Bereichen, in denen Hamburg mit seinen Clustern, also den Branchennetzwerken, wachsen will“, sagt der Jurist, der auf eine vielfältige berufliche Erfahrung zurückblickt.

Unter anderem war Aust zwölf Jahre lang Präsident der ehemaligen Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg. Ende der 80er-Jahre half er dabei, das Kampnagel-Theater zu sanieren. Danach wurde er Partner von Corny Littmann beim Schmidt Theater und gründete mit ihm das Tivoli. Auch in seiner neuen Position ist Aust eher ein Unternehmer, Gestalter und Türöffner, der Osborne Clarke in Hamburg an den Start bringt, gute Mitarbeiter engagiert und Kontakt zu Hamburger Firmen vermittelt. „Mich interessiert alles, was die Zukunft Hamburgs betrifft. Denken wie ein Unternehmer, handeln wie ein Anwalt – das ist unsere Devise“, sagt er.

Aust hat lange nach dem passenden Standort in der Stadt für die Kanzlei gesucht. „Wir haben mindestens zehn Angebote geprüft“, sagt er. Die Tanzenden Türme sind laut Aust inzwischen ein Wahrzeichen für Hamburg mitten im Kreativzentrum von St. Pauli. Ein zusätzliches Argument für die „sündige Meile“ soll eine Assistentin aus dem Kölner Büro von Osborne Clarke geliefert haben „Hier sind auch abends noch Menschen auf der Straße. Da muss man sich nicht so fürchten wie auf einsamen, dunklen Wegen“, hatte sie eingewandt. Insgesamt 20 Anwälte will Osborne Clarke im ersten Anlauf einstellen. Hinzu kommen etwa weitere zehn Mitarbeiter fürs Sekretariat und zur Unterstützung der Juristen. Es gibt bereits Bewerbungen, doch Aust lässt sich die nötige Zeit. „Die Bewerber müssen zu uns passen“, sagt er. Dabei zählt nicht nur das fachliche Wissen, sondern auch, dass die Anwälte im Team menschlich zusammenpassen.

„Meine drei Partner und ich haben uns mit den Familien getroffen“, so Aust. In seinem Haus in Alsterdorf saß man zusammen und hat fand heraus, dass die Chemie stimmt. Noch ist Aust ein wenig unzufrieden. Unter den Partnern der Kanzlei befindet sich nur eine Frau. Das müsse sich ändern. „Wir verhandeln gerade mit zwei Anwältinnen, ob sie zu uns wechseln wollen“, sagt er. „Und dies nicht wegen der Quotendiskussion, sondern weil Männer und Frauen vieles unterschiedlich sehen. Das ist gut für ein Team.“

Auch weil in der Hansestadt die wichtigsten Unternehmen der Windbranche sitzen sowie große Konsumgüter oder Logistikkonzerne, hat sich die Kanzlei für die Metropole entschieden. Von Hamburg aus will Osborne Clark ein Tor zur nordeuropäischen Wirtschaft öffnen. Neben dem Stammsitz in Bristol gibt es Niederlassungen in London, Brüssel, Barcelona, Madrid und Mailand. In Deutschland ist die Kanzlei in Köln und München vertreten und jetzt auch Hamburg. Zurzeit arbeiten 590 Anwälte für die Sozietät. Aust nimmt seinen Auftrag sehr ernst. Daneben gehört sein Engagement noch dem Tivoli. Ans Aufhören hat der agile Manager, der mit seiner Frau Wiebke sechs Kinder hat, bislang noch keinen Gedanken verschwendet. Dazu macht ihm die Arbeit zu viel Spaß. „Ich habe in meinen Leben fünf erfolgreiche Unternehmen gegründet“, sagt er. Darunter war auch zehn Jahre lang die Firma SeeLive-Tivoli, die für das Entertainment auf den „AIDA“-Schiffen verantwortlich war. 2011 hat wurde sie an die Reederei Carnival Cruise Lines verkauft. Für Aust und seinen Partner Corny Littmann hat sich das Engagement gelohnt.

Seine Pläne nach dem erfolgreichen Aufbau von Osborne Clarke? Da schweigt sich der ansonsten so kommunikative Macher noch aus.