Leitartikel

Es wird nicht besser

Lage auf dem Hamburger Wohnungsmarkt verschärft sich - wegen der Zinsen

Wer in diesen Tagen in Hamburg auf der Suche nach einer Wohnung oder einem Haus ist, erlebt immer dasselbe: Erstens ist man nicht der Einzige, der sich für den Kauf einer Immobilie interessiert, sondern eher einer von 30, 40, 50. Zweitens ist der Preis jenseits von all dem, was man jemals für die eigenen vier Wände ausgeben wollte. Und drittens wird man von irgendjemandem, meist vom Makler direkt, den Rat erhalten, möglichst viel der geforderten Kaufsumme von einer Bank finanzieren zu lassen. Angesichts der extrem niedrigen Zinsen, zum Teil liegen sie derzeit unter zwei Prozent, sei es doch auch egal, wenn für eine 170 Quadratmeter große Wohnung eine Million Euro oder mehr aufgerufen werde, heißt es dann. Womit wir bei einem neuen, großen Problem für die an Immobilienproblemen nun wirklich nicht arme Hansestadt wären.

Bisher hatte man in Hamburg vor allem damit zu kämpfen, dass in den vergangenen Jahren zu wenige Wohnungen gebaut wurden - ein Versäumnis, das der Senat unter Bürgermeister Olaf Scholz jetzt so schnell wie möglich aufholen will, deshalb sogar eine Art Prämie für unbürokratische Baugenehmigungen in den Bezirken auslobt. Doch das dürfte nicht reichen, wenn die Zinsen für Baugeld weiter so niedrig bleiben sollten wie im Moment - und genau damit muss/kann man zumindest in den nächsten ein, zwei Jahren rechnen.

Für Hamburg, das mit 1,5 Prozent den geringsten Wohnungsleerstand aller Bundesländer hat, heißt das nichts Gutes. Die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern wird sich weiter verstärken, weil es eben selten so günstig war wie im Moment, sich etwas Eigenes zu kaufen - und weil die Käufer angesichts der extrem niedrigen Zinsen auch bereit sind, für Immobilien exorbitante Preise zu zahlen. Kommt auf der anderen Seite hinzu, dass die niedrigen Zinsen dazu führen, dass viele vermögende Hamburger (und Menschen aus anderen Teilen der Welt) auf der Suche nach lukrativen Geldanlagen sind. Und da sind Wohnungen und Häuser in einer attraktiven Metropole wie Hamburg ebenfalls so begehrt wie sehr, sehr lange nicht.

So verlockend die niedrigen Zinsen für Käufer auch sind, so gefährlich könnten sie für die Entwicklung des Immobilienmarkts werden - und dazu führen, dass der Hamburger Senat sein ambitioniertes Ziel weiter in die Zukunft verschieben muss. Die Kombination von nach wie vor zu wenigen Wohnungen, einer großen Nachfrage und niedrigen Baugeldzinsen dürfte zumindest weder kurz- noch mittelfristig dazu führen, dass in Hamburg die Kaufpreise und Mieten weniger stark steigen als in den vergangenen Jahren. Eher das Gegenteil ist zu befürchten: Denn wer heute ein Mietshaus für einen Preis kauft, der 20 oder 30 Prozent über dem liegt, der vor ein paar Jahren dafür verlangt wurde, wird natürlich versuchen, möglichst hohe Einnahmen von seinen Mietern zu erzielen - wer will es ihm verdenken.

Das Verheerende an dieser Entwicklung: Während die Hamburger Politik etwas gegen die sogenannte Wohnungsknappheit unternehmen kann - übrigens auch, indem sie verhindert, dass Wohnungen und Häuser zu lange leer stehen -, ist sie machtlos, was das Niveau der Zinsen angeht. Wenn man mal davon absieht, dass natürlich auch ein Bundesland wie Hamburg etwas dazu beitragen kann, dass die Bundesrepublik ihre Staatsschulden so schnell wie möglich verringert. Die sind schließlich für die Euro-Krise und damit indirekt für die niedrigen Zinsen verantwortlich ...

Es ist, wie es ist: Die Lage auf dem Hamburger Wohnungsmarkt wird sehr schwierig bleiben - zumindest für die, die suchen. Jene Hamburger, die eine Immobilie haben, dürfen sich dagegen freuen: Sie wird auch in einem Jahr deutlich mehr wert sein als heute.