Altona

Kulturlandschaft: Entdeckungstouren am Elbufer

Infotafeln zu Sehenswürdigkeiten und Wanderkarten sollen die Höhenwege einer "einzigartigen urbanen Kulturlandschaft" bekannter machen.

Altona. Mit forschem Schritt marschiert Jan Michael Runge den geschwungenen Sandweg hoch. Hohe Buchen stehen hier, Büsche, unterbrochen von Hangwiesen, die den Blick freigeben auf die Kräne und Brücken des Hafens: Ein verwitterter Gedenkstein am Rand erinnert an die Gefallenen der österreichischen Marine in der Seeschlacht gegen Dänemark 1864 vor Helgoland. Einige Meter weiter steht ein weiterer, eher unscheinbarer Stein, eingefasst von einer Hecke. "Die Spende eines japanischen Geschäftsmannes", sagt Runge prompt auf die fragenden Blicke seiner Begleiter bei diesem Spaziergang.

Er kennt viele solcher Details hier auf den versteckten Pfaden am hügeligen Elbufer zwischen St. Pauli Fischmarkt und der Landesgrenze bei Wedel. Der Landschaftsarchitekt ist Vorsitzender des Vereins "Hamburg - Grüne Metropole am Wasser", der sich 2008 unter dem Dach der Patriotischen Gesellschaft gegründet hatte. Der Verein versteht sich als eine Art Anwalt für öffentliche Gärten, Parks und Grünzonen der Stadt, will sie mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Das sogenannte Hohe Elbufer von St. Pauli bis Schulau ist jetzt das erste Projekt. "Eine in Europa einzigartig urbane Kulturlandschaft", wie Runge sagt. Doch eine Landschaft, die in der Stadt nicht so recht gewürdigt werde. Vor allem die kleinen Höhenwege zwischen Elbchaussee und Elbe seien oft nicht bekannt. Um das zu ändern, hat der Verein nun etliche Wegeschilder und 18 große Infotafeln zu Sehenswürdigkeiten und ihrer Geschichte aufgestellt.

Am Freitag war dazu die offizielle Einweihung. Zusätzlich gibt der Verein eine Sammlung mit detaillierten Wanderkarten heraus. Jede Karte umfasst etwa fünf Kilometer, zeichnet die Wege nach und zeigt, was dort zu entdecken ist. Ein Service mit Hintergedanke: Denn aus Sicht von Runge und seinen Mistreitern ist diese einzigartige Parklandschaft auf dem Hamburger Geesthang akut gefährdet. Als Beispiel nennt Runge den Abriss von alten Villen an der Elbchaussee, die durch massige Eigentumswohnungskomplexe ersetzt würden. Auch die Pflege des Hohen Elbufers werde zusehends vernachlässigt, alte Aussichtspunkte wüchsen schlicht zu. Und auch Neubauten entlang des Elbufers sieht Landschaftsarchitekt Runge kritisch, weil alte Blickbeziehungen zur Elbe dann zerstört würden.

Je mehr Menschen aber diesen kulturellen Schatz der Hansestadt entdecken, je bekannter er werde, desto größter könnte der Druck werden, die gut 20 Kilometer lange Höhenlandschaft zu erhalten, so das Kalkül. Immerhin ein Grünzug, der zu großen Teilen bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts geschaffen wurde. "Eine Landschaft der Aufklärung", wie Runge erläutert. Zuvor habe es die "klar gezirkelten" Barockgärten gegeben, die deutliche Grenzen zur Natur setzten. Mit der Aufklärung aber wurde die Schönheit der Naturlandschaft entdeckt. Man schuf "einen Blick in die Weite", wie Runge sagt und jetzt auch zeigt.

Tatsächlich ist es hier ein Wechselspiel aus mächtigen Bäumen, sattgrüner Natur und den Blick auf Strom und Hafen, der fasziniert. Damals schon, sagt der Landschaftsarchitekt, hätten die Parkplaner solche Blicke mit in ihre Entwürfe einbezogen. Hinzu kamen sozialreformerische Ideen - etwa die von Casper Voght geschaffenen Landarbeiterhäuser beim Jenischpark. Im Unterschied zu vielen anderen Parkanlagen sei das Hohe Elbufer eben auch durch eine bürgerliche und keine fürstliche Planung entstanden - was es ebenfalls so besonders mache.

In den 1920er-Jahren dann wurden diese einzelnen Parks am Elbhang durch den Altonaer Bausenator Gustav Oelsner vor einer Parzellierung bewahrt, Grundstücke durch die Stadt aufgekauft und letztlich zu denn heutigen Elbparks und ihren Wegen gestaltet.

Seine Anleitung zur Entdeckung des Hohen Elbufers sieht der Verein als Pilotprojekt seiner Arbeit. Weitere Ziele für ähnliche Projekte sind bereits anvisiert. "Es gibt da noch mehr", sagt Runge: Das Hamburger Kanalsystem in Hammerbrook und Rothenburgsort sei beispielsweise auch solch eine besondere Kulturlandschaften am Wasser, die kaum bekannt sei. Und auch das soll sich nun bald ändern.

Hier finden Sie die Schautafeln und die Wanderkarten in digitaler Form.