IGS, Hagenbeck und Co.

Der hohe Preis der Freizeit in Hamburg

In vielen Hamburger Einrichtungen werden Besucher kräftig zur Kasse gebeten. Politiker fordern Ermäßigungen für einkommensschwache Familien.

Hamburg. Maiferien und gutes Wetter - eigentlich die beste Zeit für einen Familienausflug. Das Angebot ist verlockend: Vergnügungsparks, Zoos, Erlebnisbäder und die kürzlich eröffnete Gartenschau (igs) versprechen Attraktionen für Groß und Klein. Doch beim Blick auf die happigen Eintrittspreise bleiben viele Familien notgedrungen zu Hause. 39,50 Euro zahlt ein Erwachsener im Heidepark Soltau (Kinder: 29,50 Euro), 31 Euro (25 Euro) im Hansapark, 20 Euro (15 Euro) bei Hagenbeck, 21 Euro (6 Euro) bei der igs.

"Längst haben auch Normalverdiener Schwierigkeiten, diese Unternehmungen zu finanzieren", sagt Edith Aufdembrinke vom Verein Dago Kinderlobby. "Denn mit dem Eintritt allein ist es nicht getan." Auch für Pommes, Eis oder Cola müssten Eltern tief in die Tasche greifen. Da werde es dann auch für kleine Kinder teuer, wenn für sie kein oder weniger Eintritt gezahlt worden ist. Wegen der teuren Freizeitgestaltung blieben viele Kinder von Angeboten ausgeschlossen, die eigentlich "dazugehören", beobachtet Bärbel Dauber von der Bahrenfelder Luthergemeinde. "Ich kenne Kinder, die noch nie bei Hagenbeck waren, weil ihre Eltern es sich nicht leisten konnten", sagt die Leiterin des Gemeindezentrums. "Dabei sollte das doch eine Selbstverständlichkeit sein." Besonders schlimm findet sie, dass nicht nur die Kosten für kommerzielle Freizeitparks so hoch seien, sondern auch die für Kultur. "Mit den Kindern Theater, Konzerte oder auch ein Weihnachtsmärchen zu besuchen, ist für viele Familien nicht drin."

Auch Christiane Blömeke, familienpolitische Sprecherin der Grünen, findet die Eintrittspreise "definitiv zu hoch", auch für Mittelstandsfamilien. "Es gehört zu einer allgemeinen Familienfreundlichkeit, dafür zu sorgen, dass alle die Möglichkeit haben, Freizeitparks zu besuchen", sagt sie. Um das zu erreichen, könnte man ein bis zwei Familientage im Monat einrichten (natürlich an den Wochenenden) oder eine staatliche Subventionierung prüfen. Zudem müsse die Altersgrenze für den Erwachsenentarif auf 18 Jahre angehoben werden. "Jetzt kosten schon 13-Jährige richtig viel Geld", sagt sie. "Wenn wir wollen, dass Jugendliche nicht ständig vor dem Computer oder am Handy sitzen, müssen wir bei den Freizeitangeboten nachbessern."

Das findet auch CDU-Familienexperte Christoph de Vries. Er fordert eine spürbare Eintrittsermäßigung für Familien mit schwachem Einkommen oder Hartz-IV-Bezug. "Außerdem", sagt er, "wäre es eine familienfreundliche Regelung, die Eintrittspflicht bei Kindern auf sechs Jahre anzuheben." Jüngere Kinder würden das Angebot nur begrenzt nutzen. Er selber war gerade im Wildpark Schwarze Berge, fand, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis allerdings gut. "Für eine vierköpfige Familie 25 Euro Eintritt - das ist vertretbar." Ein Preisvergleich unter den Freizeitparks lohne sich, sagt auch Melanie Leonhard. Die Familiensprecherin der SPD verweist darauf, dass es den Ferienpass und andere Vergünstigungen bereits gibt. "Überall dort, wo der Staat involviert ist, gibt es Familienangebote", sagt sie. Das gelte natürlich nur für die Freizeitparks außerhalb Hamburgs. Deren Betreiber sollten jedoch im eigenen Interesse für Familien attraktiver werden. "Wen man als Kind begeistert, sieht man auch als Erwachsenen wieder." Die für ihre Eintrittspreise oft kritisierte Gartenschau in Wilhelmsburg nimmt Leonhard in Schutz. "Die igs gewährt Schulklassen und Anwohnern günstigen, teilweise kostenlosen Eintritt. Das ist wichtig und richtig."

Auch igs-Sprecherin Kerstin Feddersen verteidigt den Eintrittspreis von 21 Euro für Erwachsene und sechs Euro für Kinder zwischen sechs und 17 Jahren. "Wenn man ihn mit dem Preis anderer Erlebnisparks vergleicht, ist er angemessen", sagt sie. Die igs müsse damit den Betriebshaushalt refinanzieren, dazu gehörten Kosten für Pflege und Bewirtschaftung der Anlage, für das Personal, für das 171 Tage währende Programm, die Künstler und die Trainer des kostenlosen Sportprogramms. Für diese Ausgaben hatte die igs einen Kredit in Höhe von 50 Millionen Euro aufgenommen. Bei der Festlegung des Eintrittspreises orientierte sich der igs-Aufsichtsrat an den Preisen der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz. Dort hatte der Eintritt 20 Euro gekostet, jedoch ohne Veranstaltungsprogramm.

Verhältnismäßig oder nicht - Edith Aufdembrinke wünscht sich für Freizeitparks eine ähnliche Lösung wie sie für Hamburger Museen gefunden wurde. Dort hatte zunächst ein Sponsor Kindern bis zur Volljährigkeit freien Eintritt ermöglicht, was nach wie vor gilt. "Es wäre schön", sagt die Kinderlobbyistin, "wenn auch Freizeitparks so unterstützt würden, dass sie Familien ermäßigten Eintritt gewähren können."