Tag der Arbeit

Gewerkschaften und Protestanten fordern Mindestlohn

Bei einer Kundgebung zum Tag der Arbeit fordern Vertreter der Gewerkschaften und der evangelischen Kirche in Hamburg den Kampf gegen Lohndumping. DGB spricht von 50.000 Teilnehmern in ganz Niedersachsen.

Hamburg. Gewerkschaften und Vertreter der evangelischen Kirche demonstrieren bei einer Demonstration in Hamburg zum Tag der Arbeit den symbolischen Schulterschluss. Begleitet wurde die Kundgebung am Mittwochnachmittag auf dem Hamburger Fischmarkt von einer Gruppe Autonomer, die mit Parolen die Veranstaltung zu stören versuchten.

Kirchentagspräsident Gerhard Robbers betonte vor etwa 4500 Teilnehmern, Kirchen und Gewerkschaften stünden beide an der Seite derjenigen, die nicht genug zum Leben haben. Beide müssten für diese Menschen streiten, sagte der Verfassungsrechtler und ergänzte: „Das können wir gemeinsam besser als getrennt.“

Die evangelische Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs betonte mit Blick auf das Motto des Kirchentages „Soviel zu brauchst“, die Forderung nach einem Mindestlohn. Die Gesellschaft brauche dringend eine Schranke gegen Lohndumping, Tarifflucht und Niedriglohnkonkurrenz. An der Losung des Kirchentags müssten sich auch kirchlich-diakonische Einrichtungen messen lassen, sagte Fehrs. Zwischen den Kirchen und den Gewerkschaften ver.di und Marburger Bund ist das Verhältnis gespannt, weil die Gewerkschaften das besondere kirchliche Arbeitsrecht, das ein Streikrecht verbietet, juristisch angreifen.

Der CDU-Politiker Heiner Geißler forderte ein Umdenken weg vom Marktradikalismus und einen moralischeren Umgang miteiander in der Arbeitswelt. „Der Mensch wird diskriminiert als Kostenfaktor“, sagte er. „Er gilt umso mehr, je weniger er kostet.“

Die Gewerkschaften hatten zum Tag der Arbeit in der ganzen Bundesrepublik zu Kundgebungen aufgerufen. Rund 50 000 Menschen haben nach DGB-Angaben in Niedersachsen an den Demonstrationen teilgenommen. Allein in der Landeshauptstadt Hannover zählte die Polizei am Mittwoch rund 8000 Teilnehmer. In Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg kamen nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) jeweils rund 5000 Menschen zu den Veranstaltungen. DGB-Landeschef Hartmut Tölle sagte, die Kundgebungen seien sehr gut besucht gewesen. „Das zeigt: Unsere Forderungen nach guter Arbeit, sicherer Rente und einem sozialen Europa liegen vielen Menschen am Herzen.“

Auch in Mecklenburg-Vorpommern haben Gewerkschaftler ihre Forderungen nach guter Arbeit, gerechten Löhnen und sicheren Renten betont. Der DGB-Nord-Vorsitzender Uwe Polkaehn sprach sich am Mittwoch auf dem Schweriner Marktplatz für einen Politikwechsel nach der Bundestagswahl mit einer neuen Ordnung der Arbeit aus. Die schwarz-gelbe Bundesregierung habe Deutschland zu einem Niedriglohnland gemacht.

Auf der Kundgebung in Stralsund sprach sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) für höhere Löhne und die Rentenangleichung in Ost und West aus. „Unser Land wird im Wettbewerb mit anderen Regionen nur mithalten können, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei uns gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne vorfinden“, sagte er.