Nordelbische Landeskirche

Junge im Posaunenchor der Kirche missbraucht

Foto: Marcelo Hernandez

Der ehemalige Leiter des Posaunenchors der evangelischen Thomasgemeinde in Hausbruch soll sich an einem zum Tatzeitpunkt etwa zwölf Jahre alten Jungen sexuell vergangen haben.

Hamburg. Ein weiterer Missbrauchsfall erschüttert die Nordelbische Landeskirche. Der ehemalige Leiter des Posaunenchors der evangelischen Thomasgemeinde in Hausbruch soll sich an einem zum Tatzeitpunkt etwa zwölf Jahre alten Jungen sexuell vergangen haben. Erst jetzt, 20 Jahre nach dem Vorfall, meldete sich der Vater des Opfers bei der Bischofkanzlei des Kirchenkreises Ost.

Der Beschuldigte hatte bis 2007 ehrenamtlich den Harburger Chor geleitet. Nach Bekanntwerden des Vorfalls habe er sich "vollständig aus dem Gemeindeleben zurückgezogen", sagt Ulrich Krüger, Pastor der Thomaskirche in Hausbruch. Der Fall ist längst verjährt, "aber wir haben den Verdacht, dass es weitere Opfer von sexuellen Übergriffen geben könnte", so Krüger. Aus diesem Grund hat die Gemeinde jetzt eine Hotline für Betroffene. Wer weitere Fälle melden kann, sollte sich unter der Telefonnummer 0170/609 40 96 melden.

Auf ausdrücklichen Wunsch des Opfers - und auch, weil der Fall verjährt sei - seien bisher weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden, sagte die von der Nordelbischen Landeskirche eingeschaltete Rechtsanwältin Gisela Friedrichs. "In Gesprächen mit uns hat der ehemalige Leiter des Posaunenchors diese Tat zugegeben, und er hat eingesehen, dass es besser ist, sich gänzlich aus dem Gemeindeleben herauszuhalten. Wir sind vollkommen erschüttert über diesen Vorfall. Aber wir wollen offensiv damit umgehen und anderen Männern, denen vielleicht Ähnliches passiert ist wie dem Opfer, die Möglichkeit geben, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Der Beschuldigte hat inzwischen eine Therapie begonnen", so Pastor Ulrich Krüger.

Die Kirche wolle mit den Opfern sprechen und ihnen Angebote zur Unterstützung machen, sagt der Präventionsbeauftragte des Kirchenkreises Ost, Rainer Kluck. Erst im Jahr 2010 waren Missbrauchsfälle in einer anderen evangelischen Kirchengemeinde des Kirchenkreises Ost, in Ahrensburg, bekannt geworden. Daraufhin wurde das Amt des Präventionsbeauftragten geschaffen.

Pröpstin Carolyn Decke machte deutlich, dass der neue Fall "ganz oben angesiedelt" werde. "Wir haben da als Kirche eine ganz besondere Verantwortung", sagt Pröbstin Decke.

Zu der Zeit, als der Junge ein Instrument im Posaunenchor in der Thomasgemeinde spielte und der sexuelle Übergriff sich ereignet haben soll, hatte Pastor Krüger gerade als junger Theologe seine Pastorenstelle in Hausbruch angetreten.

"Es gab damals keine Anzeichen für sexuelle Übergriffe in dieser Gruppe des Posaunenchors, der in der Regel 20 bis 25 Kinder und Jugendliche angehören", sagt Pastor Ulrich Krüger.

Der Kirchenkreis Ost und alle Beteiligten, so Kluck, seien um größtmöglichste Aufklärung bei größtmöglichstem Opferschutz bemüht. "Insbesondere Männer brauchen sehr lange, um über selbst erlebte Missbrauchsfälle zu sprechen. Das kann 20 oder 30 Jahre dauern", sagt Kluck.

Am kommenden Montag um 18 Uhr will die Thomasgemeinde in Hausbruch, Lange Striepen 3a, öffentlich über die Vorfälle informieren.