Hamburger Bank

Haspa gibt Mitarbeitern drei Jahre frei und zahlt 450 Euro

Auszeit auf eigenen Wunsch - mit diesem Angebot will Deutschlands größte Sparkasse ihre Personalkosten reduzieren. "Aber es gibt ein Recht auf Rückkehr", sagt Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg.

Hamburg. Mit ungewöhnlichen Maßnahmen will die Hamburger Sparkasse (Haspa) die Zahl ihrer Mitarbeiter reduzieren, um dem gestiegenen Kostendruck zu begegnen. So haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, bis zu drei Jahre aus dem Unternehmen auszuscheiden - in dieser Zeit erhalten sie 450 Euro monatlich. "Dafür müssen die Mitarbeiter selbst für ihre Sozialversicherung sorgen, das Unternehmen führt keine Beiträge ab", sagte Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg dem Abendblatt.

Während andere Unternehmen wie Otto bei einem sogenannten Sabbat-Jahr eher auf ein Vor- oder Nacharbeiten der Auszeit setzen, hofft Deutschlands größte Sparkasse offenbar, dass sich die Mitarbeiter beruflich neu orientieren. "Aber es gibt ein Recht auf Rückkehr", sagte von Carlsburg. Die Mindestauszeit beträgt sechs Monate.

Außerdem können die Mitarbeiter das Urlaubsgeld, das einem Monatsgehalt entspricht, in zusätzliche freie Tage umwandeln. Mitarbeiter ab 55 können ihre Arbeitszeit auf 80 bis 40 Prozent reduzieren. Von den Gehaltseinbußen übernimmt die Haspa 20 Prozent. Zudem sollen damit keine Nachteile bei der Betriebsrente verbunden sein.

"Wir wollen uns langfristig darauf einstellen, dass es aufgrund der niedrigen Zinsen in Zukunft deutlich schwieriger wird, Erträge zu erwirtschaften", sagte von Carlsburg. Der Anstieg der Personalkosten in den nächsten Jahren solle begrenzt werden. "Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht geplant." In den vergangenen Jahren hat die Haspa 500 Stellen aufgebaut und beschäftigt insgesamt 5700 Mitarbeiter. Wie viele Stellen in diesem und im nächsten Jahr abgebaut werden sollen, wollte die Haspa nicht sagen. "Es gibt keine Zielgröße für den Personalabbau. Zunächst schauen wir uns an, wie die Maßnahmen angenommen werden." Unter Haspa-Beschäftigten ist von 400 Stellen die Rede. Der Betriebsrat wollte sich nicht äußern, obwohl er das Programm mitträgt.

Die Haspa verweist darauf, dass die Begrenzung der Personalkosten nur ein Element sei, um sich für die Zukunft zu rüsten. "Die angestrebten Einsparungen bei den Personalkosten sind geringer als die Reduzierungen bei den Sachkosten", sagte von Carlsburg, ohne konkrete Zahlen zu nennen. "Insgesamt wollen wir die Marktanteile in der Metropolregion erhöhen, die Erlöse steigern und das Online-Angebot ausbauen", kündigte sie an.

"Die Maßnahmen zeigen, dass die Haspa eine große Not bei den Personalkosten hat", sagte Berthold Bose von der Gewerkschaft Ver.di. "Wir fürchten, dass die verbliebenen Mitarbeiter dann zusätzliche Belastungen tragen müssen." Gegen die Personalmaßnahmen hat die Gewerkschaft keine Einwände, "wenn sie auf freiwilliger Basis erfolgen", sagte Bose. Ein längeres Ausscheiden aus dem Unternehmen sieht er allerdings kritisch: "Das ist ein klarer Karriereknick."