Kommentar

Ohne Deutsch geht es nicht

Die Sprache ist der Schlüssel zur gelungenen Integration

Niemand, der hier lebt, kann gezwungen werden, Deutsch zu lernen oder zu sprechen. Es gehört allerdings zu den gesicherten Erkenntnissen der Migrationsforschung, dass die Beherrschung der Sprache der neuen Heimat vieles erleichtert. Mehr noch: Sprache ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe - ob in Bildung oder Beruf.

Wenn die Daten des Statistikamts Nord jetzt ergeben, dass 23 Prozent der Hamburger Grundschüler zu Hause nicht überwiegend Deutsch sprechen, kann das zwar ein Indiz für eine fehlende Integrationsbereitschaft der Familien sein. Problematisch wird es aber erst dort, wo Eltern ihre Kinder vor den Einflüssen der deutschen Kultur und damit auch der Sprache zielgerichtet abschotten.

In Hamburg haben sich Politik und Schulbehörde richtigerweise frühzeitig entschlossen, nicht allein darauf zu setzen, dass Eltern aus nicht deutschen Familien ihren Kindern schon rechtzeitig ermöglichen werden, die Landessprache zu lernen. Dies geschieht zwar in den meisten Fällen fast automatisch im Kindergarten, auf dem Spielplatz oder, ja, auch vor dem Fernseher, wenn nicht ohnehin im Elternhaus zwei Sprachen gesprochen werden. Aber zu häufig reichen die Deutschkenntnisse der Kinder eben nicht aus, um in der Schule erfolgreich sein zu können.

Deswegen wird seit acht Jahren die Sprachfähigkeit aller Hamburger Viereinhalbjährigen systematisch ermittelt. Dass derzeit etwa jedes achte Kind in den ein bis zwei Jahren vor der Einschulung erheblichen Sprachförderbedarf hat und daher Deutschunterricht bekommen muss, zeigt, wie häufig Integration zu scheitern droht. Und die Tendenz ist auch noch leicht ansteigend. Es gibt, das sei angefügt, zu einem kleineren Teil auch deutsche Kinder, deren Sprachfähigkeit nicht ausreicht, um die Grundschule sicher zu überstehen.

So richtig der Gedanke der vorschulischen Sprachförderung war und ist: Es ist ein Manko, dass die Wirksamkeit der Kurse für die Vier- und Fünfjährigen bislang nicht untersucht wurde. Erst wenn das geschieht, wird man wissen, ob das Ziel, dass alle Kinder zur Einschulung so sicher im Deutschen sind, dass sie dem Unterricht folgen können, erreicht wird.