Museumstour

30.000 Besucher bei der „Langen Nacht der Museen“

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Britta Kollenbroich

53 Ausstellungshäuser und mehr als 600 Programmpunkte: Insgesamt 30.000 Besucher kamen zur „Langen Nacht der Museen“. Ein besonderes Highlight war das Polizeimuseum, das zum ersten Mal geöffnet hatte.

Hamburg. Die Mörder und Erpresser warten unterm Dach. Es ist stickig hier oben, durch die kleinen niedrigen Fenster dringt kaum Tageslicht. Doch im Halbdunkel zwischen den alten Holzbalken sind die Relikte nicht zu übersehen: Ein großes Ölfass, ein geknackter Tresor und mehrere Pistolen. Ein Stockwerk tiefer hat am Samstag das Hamburger Polizeimuseum zum ersten Mal seine Tore für das Publikum geöffnet, dabei ist der offizielle Start erst im Spätsommer. Doch pünktlich zur 13. „Langen Nacht der Museen“ in der Hansestadt sind Teile des historischen Hauses auf dem Polizeigelände im Stadtteil Winterhude fertig geworden.

Dazu gehören Ausstellungen zur Rolle der Hamburger Polizei im Nationalsozialismus und über die spektakulärsten Kriminalfälle der Hansestadt. Kaufhauserpresser „Dagobert“, der vornehme Räuber „Lord von Barmbek“ und Auftragskiller „Mucki“ ziehen viele Hamburger in den Bann. Kurz nach 18.00 Uhr reicht die Schlange schon bis zur Straße.

Derweil ist unten die Spurensicherung an der Arbeit: Während Ralf Rhinow das Fenster auf Einbruchspuren und Fingerabdrücke untersucht, inspiziert sein Kollege zwischen umgekippten Flaschen und benutzten Taschentüchern das Sofa mit einer blauen Lampe auf Körperflüssigkeiten. Immer mehr Schaulustige drängen sich hinter dem Absperrband der Polizei – doch statt sie wegzuschicken, beantwortet der Spurensicherer geduldig ihre Fragen.

In der Hansestadt öffneten die Museen an diesem Abend ihre Pforten. 53 Ausstellungshäuser beteiligten sich im 13. Jahr an der Kulturnacht und lockten knapp 30.000 Besucher in die Museen. Dabei standen den Nachtschwärmern über 600 Programmpunkte zur Auswahl – vom Türkisch-Crashkurs im Auswandermuseum Ballinstadt, einer traditionellen äthiopischen Kaffeezeremonie im Deutschen Zusatzstoffmuseum bis zu nächtlichen Tauchgängen im Hafen.

Britta Skibbe und Stephanie Krogmann haben spontan das Museum für Völkerkunde als erstes Ziel gewählt. Doch wohin soll es danach gehen? Im Foyer blicken die Freundinnen etwas ratlos auf den Plan vor ihnen. Hilfe kommt von einem Ehepaar. „Lieber auf ein paar Sachen beschränken und die dann intensiver angucken“, empfehlen die Hamburger und geben ganz selbstverständlich noch ein paar Museums-Tipps. Einander helfen und ins Gespräch kommen, das mache doch die Veranstaltung auch aus, erklären sie. „Die Leute sind aufgeschlossener, gehen netter miteinander um. Die Atmosphäre ist super.“

Wenig später dürfte bei den beiden auch der Ärger über die verpasste indische Tanzaufführung vergessen sein. Laute Musik ertönt im Foyer. Vor der großen Steintreppe tanzt die Gruppe „Happy Kiel“ den indischen „Bhangra“. Während im vermeintlich schönsten Hörsaal Hamburgs im Völkerkundemuseum der emeritierte Hamburger Professor Albrecht Wezler mit seinem Vortrag über das „Kama Sutra“ die indische Brautmodenschau ablöst, versuchen die Spurensicherer im Polizeimuseum die letzten Irrtümer über die Tatortsicherung aufzuklären. Dazu gehören die in Krimis so beliebten Plastiktüten für Beweisstücke. „Das wäre bei uns undenkbar“, versichert Ralf Rhinow. „Die Fingerspuren wären vernichtet.“

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