Sportplatzring in Stellingen

Drei Fußballfelder für den Wohnungsbau

Am Sportplatzring in Stellingen soll neue Siedlung für rund 500 Bewohner entstehen. Vereine ziehen um. Morgen beginnt Bürgerbeteiligung.

Hamburg. Im Fußball liegt die Wahrheit auf dem Platz, in Stellingen liegt dort die städtebauliche Zukunft: Auf der Fläche von guten drei Fußballfeldern plant der Bezirk Eimsbüttel eines der größten Neubauvorhaben der kommenden Jahre. Am Sportplatzring, auf der 37.000 Quadratmeter großen Kampfbahn Stellingen, sollen 150 bis 200 Wohnungen entstehen. Im Gegenzug sollen die Sportvereine an die nahe Vogt-Kölln-Straße ziehen. "Der Stadtteil kann an dieser Stelle sein Gesicht grundlegend verändern und moderner werden", sagt Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD). "Für Eimsbüttel ist das einer der wichtigsten Impulse in seiner Entwicklung überhaupt." Stellingen gelte als "Urbanisierungszone", in der zentrumsnahe Wohnungsbaupotenziale ausgeschöpft werden sollen.

Möglich wird das Großprojekt durch einen Flächentausch im Zuge des Uni-Umbaus. Voraussichtlich 2018/19 soll der Stellinger Informatik-Campus an der Vogt-Kölln-Straße zur Bundesstraße in Rotherbaum ziehen. Die frei werdende Fläche in Stellingen soll dann den Sportvereinen West-Eimsbüttel und TSV Stellingen zur Verfügung gestellt werden, womit die 1927 gebaute Kampfbahn Stellingen mit ihren zwei Grandplätzen und dem Leichtathletik-Oval für den Wohnungsbau genutzt werden kann.

Um einen reibungslosen Vereinsbetrieb aufrechtzuerhalten, bekommen die Vereine schon vorher zwei neue Ausweich-Kunstrasenplätze auf dem Uni-Gelände. Um die Stellinger Bürger bei diesem Vorhaben nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen, sollen sie bereits jetzt am Verfahren beteiligt werden. Bisher gebe es laut Sevecke nur den grundsätzlichen Plan, Vorschläge der Anwohner zu den Details sind erwünscht. Bei der Auftaktveranstaltung am morgigen Dienstag (18 Uhr, Haus der Jugend, Sportplatzring) gibt es deshalb einen Stadtteilrundgang (von 16 Uhr an) und einen großen Infomarkt zur "Entwicklung Stellingen". Die sogenannten Bebauungspläne "Stellingen 61" (Vogt-Kölln-Straße) und "Stellingen 62" (Sportplatzring) stehen zur Diskussion. "Frühzeitige Bürgerbeteiligung ist uns sehr wichtig. Wir wollen bei den Ideen so offen wie möglich sein", sagt Sevecke.

Die Ideenbörse soll sich aber nicht nur auf den geplanten Wohnungsbau auf der Kampfbahn Stellingen beziehen. Vielmehr will der Bezirk das gesamte verkehrsbelastete Gebiet um die Kreuzung Sportplatzring/Kieler Straße unter dem Gesichtspunkt der Neuordnung betrachten. Den Gestaltungsmöglichkeiten an diesem Knotenpunkt des Autoverkehrs - täglich passieren 80.000 Wagen die Kreuzung - seien laut Sevecke zwar Grenzen gesetzt. Aber neue Ansätze gibt es, wie ein gerade begonnenes Projekt beweise. "Hamburg Team" baut direkt an der Kreuzung für elf Millionen Euro eine Seniorenwohnanlage mit 55 barrierefreien Einheiten. "Und auch die andere Seite der stark frequentierten Kreuzung kann perspektivisch einladender werden", sagt Sevecke. Dem Bezirksamtsleiter schwebt eine städtebauliche Überarbeitung vor. Um die Nahversorgung in diesem Teil Stellingens zu stärken, seien kombinierte Wohn- und Gewerbegebäude denkbar. Mit modernem Schallschutz - wie er bei den neuen Seniorenwohnungen eingesetzt werde - ließe sich dieser Plan umsetzen.

Indes wird an dem konkreten Projekt "Wohnungsbau am Sportplatzring" bereits seit 2005 geplant. Damals gab es ein Gutachterverfahren, zwischenzeitlich hieß das Projekt "Neue Mitte Stellingen" und lag dann wieder auf Eis. Warum nun ein komplizierter Flächentausch die Lösung ist, ergebe sich laut Sevecke aus dem Planungsrecht. Denn auf dem bisherigen Uni-Gelände an der Vogt-Kölln-Straße könnten wegen des Fluglärms keine Wohnungen gebaut werden. Darum sollen dort nun Sportplätze entstehen, während auf der Kampfbahn schwerpunktmäßig geförderte Wohnungen geplant sind. Diese Variante komme auch den Vereinen entgegen, die mit zwei neuen Kunstrasenplätzen und einer später möglichen Leichtathletikbahn konkurrenzfähig blieben. Am Sportplatzring biete sich wiederum die Möglichkeit, den Wohnungsbau um eine "Potenzialfläche" zu ergänzen. Wo sich heute noch der Oberstufentrakt der Gesamtschule Stellingen befindet, könnte nach dessen Umzug ein weiteres Wohngebiet entstehen.

"Für all diese Planungen brauchen wir die Akzeptanz der Bevölkerung", sagt Sevecke. Deshalb sollen sich die Stellinger einbringen. Denn am Interesse möglicher Investoren werde dieses Projekt sicher nicht scheitern.