Muslimische Al-Nour-Gemeinde

Horn begrüßt Moschee in alter Kirche

Mehr als 150 Menschen, vorwiegend Anwohner aus Horn, zu Gast bei muslimischer Gemeinde. Am Sonnabend wollen Rechtsextreme protestieren.

Hamburg. Darauf hatten viele gespannt gewartet: Die muslimische Al-Nour-Gemeinde, die in die leere Kapernaumkirche an der Sievekingsallee ziehen wird, lud Nachbarn und Interessierte zu einer Informationsveranstaltung. Mehr als 150 Menschen, vorwiegend Anwohner aus Horn, kamen.

Weil die Sanierung der seit zehn Jahren leer stehenden Kirche erst Mitte April beginnt, traf man sich am Donnerstagabend in einem Saal des Rauhen Hauses. Das erschien zunächst überraschend, zumal sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zur geplanten Umnutzung der 2002 entwidmeten und 2004 verkauften Kapernaumkirche anfangs kritisch äußerte.

Nun öffnet das Rauhe Haus den Muslimen seine Türen - ein Beispiel für die Toleranz, mit denen die Menschen aus Horn ihren neuen Nachbarn begegnen. "Wir heißen das islamische Zentrum und seine Besucher in Horn willkommen", sagte Pastor Burkhard Kiersch von der Kirchengemeinde zu Hamburg-Horn, einst Eigentümerin der Kapernaumkirche. Imam Samir El-Rajab und Daniel Abdin von der Al-Nour-Gemeinde hätten sich dem Kirchenvorstand in einem langen und konstruktiven Gespräch vorgestellt. Auch andere Horner sehen die Umwandlung der Kirche in eine Moschee gelassen. "Wir sollten uns solidarisch und offen zeigen", sagt Karin Wienberg vom Stadtteilverein Horn. "Es ist doch völlig in Ordnung, dass eine aufgegebene Kirche von Muslimen genutzt wird." Daniel Abdin betonte erneut die Offenheit der Gemeinde, die sich seit 20 Jahren in einer Tiefgarage in St. Georg versammelt. "Vor uns muss niemand Angst haben, das friedliche Zusammenleben ist uns das Wichtigste." Daher werde auch kein Muezzin vom Minarett rufen. Die Sanierung kostet 1,5 Millionen Euro. Was die Horner stört, ist nicht das künftige islamische Zentrum in ihrer Mitte, sondern eine angekündigte Kundgebung gegen eine "fortschreitende Islamisierung" am Sonnabend. "Wir wehren uns gegen undemokratische und rassistische Aktionen in Horn", sagt die Hornerin Bettina Rosenbusch. Auf der Stadtteilkonferenz am Montag sei so beschlossen worden, alle Horner zu einer Gegenkundgebung zu mobilisieren.

Auch der Senat und alle fünf Fraktionen der Bürgerschaft unterstützen die Gegendemonstration. "An diesem Wochenende zeigt Hamburg den Rechtsextremisten erneut die Rote Karte. Das ist richtig, denn die Freiheit der Religionsausübung gilt uneingeschränkt", sagte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD). Selbst die CDU, die den Umbau der Kirche zur Moschee durchaus kritisch sieht, distanziert sich von dem Protest. "Hass, Intoleranz und die Ausgrenzung Andersgläubiger sollen in unserer Stadt keine Chance haben", sagt der kirchenpolitische Sprecher der Christdemokraten, Frank Schira.

Zur Demonstration gegen die Moschee werden etwa 100 Teilnehmer erwartet, bei der Solidaritätskundgebung mehr als 300. Die Polizei wird mit mehreren Hundertschaften im Einsatz sein, da sie mit fast 150 gewaltbereiten Linksautonomen rechnet.