Berufswahl

Hamburger Schüler sollen einmal pro Woche in Betriebe

Behörde will Neunt- und Zehntklässler an Stadtteilschulen auf Berufswahl vorbereiten. Warnung vor zu hohem Unterrichtsausfall.

Hamburg. Einmal in der Woche in einen Betrieb statt in die Schule gehen - das ist Teil eines Konzepts, mit dem Schulsenator Ties Rabe (SPD) Hamburgs Stadtteilschüler auf mehr Berufsorientierung trimmen will. Sie sollen künftig in der neunten und zehnten Klasse systematisch auf ihre Berufswahl und eine Ausbildung nach dem Schulabschluss vorbereitet werden. "Mehr Jugendliche sollen direkt eine Ausbildung beginnen", sagt Rabe. Im Sommer 2012 waren nur 25 Prozent der Haupt- und Realschüler, die nicht weiter die Schule besuchten, unmittelbar in die Berufswelt gestartet.

Das behördeninterne Konzept mit dem Titel "Stadtteilschule stärken - Übergangsqualifizierung in den Jahrgängen 9 und 10", das dem Abendblatt im Entwurf vorliegt, stößt auch bei Opposition und Lehrern auf Zustimmung. Dennoch warnen Politiker vor zu hohem Unterrichtsausfall.

Denn die Jugendlichen sollen künftig in Klasse 9 zeitweise in Betriebe statt in den Unterricht gehen. Laut Konzeptentwurf ist vorgesehen, dass sie regelmäßig einen Tag in der Woche in Unternehmen und Einrichtungen sind.

Von dieser strikten Vorgabe hat sich Senator Rabe allerdings nach internen Diskussionen wieder verabschiedet - auch weil es der Wirtschaft nicht leicht fällt, die rund 6000 Schüler eines Jahrgangs an je einem Tag in der Woche unterzubringen. Rabe will es den Schulen nun freistellen, ob die Schüler ihre Praxiserfahrung einmal wöchentlich oder in zwei mehrwöchigen Blockpraktika sammeln. Auch der Deutsche Lehrerverband in Hamburg befürwortet Praktika in Blöcken. Dies sei für Schulen und Unternehmen leichter zu organisieren.

Am Ende der neunten Klasse sollen die Jugendlichen dann unterstützt von ihren Lehrern eine konkrete "Anschlussentscheidung nach Jahrgang 10" fällen: Eine konkrete Ausbildung oder Abitur. Das zehnte Schuljahr nutzen die Schüler, um sich gezielt für diesen Übergang zu qualifizieren. Dazu gehört Bewerbungstraining für alle, aber auch auf den Wunschberuf ausgerichtete Inhalte. Die Berufsorientierung wird verbindlich im Stundenplan verankert. Wer nach der zehnten Klasse die Schule verlassen will, muss im letzten Jahrgang ein weiteres Praktikum absolvieren. Das Konzept soll ab Sommer Schritt für Schritt eingeführt und Mitte 2014 an allen Schulen verbindlich sein.

Die stärkere Berufsorientierung - vor Ort in den Betrieben und mit neuen Lerninhalten im Stundenplan - geht allerdings zu Lasten anderer Unterrichtsinhalte. Was entfällt, muss noch vereinbart werden. Deutsch, Mathematik und Englisch blieben aber ausgenommen, so Rabe.

CDU-Landeschef Marcus Weinberg betont zwar die Notwendigkeit der Berufsvorbereitung, warnt aber zugleich, dass wegen eines zu hohen Unterrichtsausfalls Stadtteilschüler nicht die "notwendigen grundlegenden Kenntnisse" vermittelt bekommen könnten. "Ein Zwei-Klassen-Abitur darf es nicht geben." Rabe müsse genau benennen, wo er streichen wolle. Die Hamburger Piratenpartei beklagt mangelnde Transparenz. Die Eltern hätten früher informiert werden sollen.