Kommentar

Werften müssen weit mehr tun

Die erste Auftragswelle für Windpark-Errichterschiffe ist an der deutschen Werftindustrie vorbeigeschwappt. Für etliche Neubauten in jüngerer Zeit kann die Branche in Deutschland nur eine einzige Bestellung ausführen. Sietas baut derzeit das Errichterschiff "Aeolus". Die ersehnte Order für ein Schwesterschiff hat das niederländische Unternehmen Van Oord bei Sietas Ende 2012 gestoppt, nachdem ein Windparkprojekt in der Nordsee verschoben wurde.

Deutschlands älteste Werft, die insolvent ist, will sich mit dem Sprung auf den Offshore-Markt eine neue Zukunft erarbeiten. Die Rettung schien nah und ist nun doch wieder fern. Das wirkt symptomatisch für den deutschen Schiffbau insgesamt: Was, wenn nicht der regionale Offshore-Windmarkt in der Nordsee und in der Ostsee, soll der Werftindustrie neuen Schwung bescheren? Spezialschiffbau heißt seit geraumer Zeit die Losung und Lösung in der Branche. Doch selbst im Top-Segment der Kreuzfahrtschiffe steigt der Konkurrenzdruck aus Asien bedrohlich an.

Die bisherigen Aufträge für Offshore-Spezialschiffe haben die Hoffnungen nicht erfüllt. Denn selbst deutsche Unternehmen wie Siemens, RWE oder Hochtief lassen ihre Errichterschiffe für Offshore-Windparks in Südkorea und Polen bauen. Die deutschen Werften waren ihnen zu teuer, zeitlich zu unsicher - oder sie konnten keine Angebote machen. Der Bedarf an Spezialschiffen für Offshore-Windparks wird weiter steigen. Wenn die deutschen Werften in diesem Geschäft dabei sein wollen, müssen sie allerdings weit mehr tun als bislang.