Kommentar

Noch nicht genug gespart

Nimmt man den Aktienkurs zum Maßstab, so fällt eine Bilanz der Amtszeit von Hartmut Mehdorn als Vorstandsvorsitzender von Air Berlin denkbar ungünstig aus: Seit Anfang September 2011 hat das Papier um 46 Prozent an Wert verloren. Im gleichen Zeitraum hat die Aktie der Lufthansa, die ebenso mit den Widrigkeiten des Luftfahrtmarktes in Deutschland - etwa der Ticketsteuer - zu kämpfen hatte, um 25 Prozent zugelegt.

Die Sanierung von Air Berlin ist eine Aufgabe, die selbst einen Manager mit den Qualitäten und dem Charisma des früheren Bahn-Chefs Mehdorn bis an die Grenzen forderte. Tatsächlich kann er Erfolge vorweisen, ohne die das Unternehmen wohl schon abgestürzt wäre. Konsequent ließ Mehdorn unrentable Strecken streichen, was nicht zuletzt den Hamburger Flughafen hart traf, außerdem holte er die arabische Fluggesellschaft Etihad als Geldgeber an Bord.

Doch all das reicht nicht. Die Marktbedingungen am europäischen Himmel sind eher noch härter geworden - und der Großaktionär will endlich entscheidende Verbesserungen sehen. Dazu muss ein neuer Mann her. An der Motivation von Wolfgang Prock-Schauer dürfte es keine Zweifel geben, denn er muss eine Scharte auswetzen: Bei der britischen Fluggesellschaft bmi war es ihm nicht gelungen, sie in die schwarzen Zahlen zu bringen, die Lufthansa verkaufte die Firma schließlich. Als neuer Air-Berlin-Chef wird er nun tun, was Mehdorn erspart bleibt: Das nächste Sparprogramm durchziehen und wahrscheinlich Hunderte von Stellen abbauen. Dass der neue Berliner Großflughafen jetzt noch später kommt, macht die Aufgabe nicht leichter.