Wer kann sich das noch leisten?

Für das Wohnen müssen Hamburger im Schnitt schon 40 Prozent ihres Einkommens ausgeben

Hamburg. Der Preisanstieg auf dem Hamburger Wohnungsmarkt geht ungebremst weiter. Nach neuen Zahlen des Instituts Forschung & Beratung ist mittlerweile der Anstieg bei Neuvermietungspreisen nirgendwo in Deutschland so stark wie an der Elbe. Die Hamburger Immobilienexperten untersuchten dabei einen Zeitraum von fünf Jahren: Die Mieten stiegen in Hamburg in dieser Zeit um 19,7 Prozent, im ebenfalls teuren München um 14 Prozent. Die Preise für Wohneigentum klettern in Hamburg ebenfalls kräftig - allein im vergangenen Jahr um mehr als elf Prozent, wie der Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) ermittelt hat. Quadratmeterpreise von rund 4000 Euro sind mittlerweile in den beliebten Innenstadtlagen für Immobilien die Regel. "Selbst sehr Hochpreisiges geht schnell weg", sagt Verbandsgeschäftsführerin Verena Herfort.

Die alte Formel des Mietervereins, wonach maximal ein Wochenlohn für das Wohnen einkalkuliert werden muss, gilt schon lange nicht mehr. In Hamburg liegt die durchschnittliche Mietbelastung bei mittlerweile mehr als 40 Prozent des Einkommens. Das ergibt sich aus einer Vergleichsstudie des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Viele Rentner und Arbeitnehmer mit niedrigen Einkommen müssen sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben.

Als Reaktion hat Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) jetzt eine Bundesratsinitiative gestartet. Damit sollen künftig die Preise für Neuvermietungen nicht mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Miete liegen. Wissenschaftler fordern indes eine Abkehr vom Höchstpreisverfahren, wenn die Stadt Baulandgrundstücke verkauft.

Als einen der wesentlichen Preistreiber machen Verbände und auch Wissenschaftler neben teuren Baulandpreisen auch Klimaschutzziele beim Bauen sowie Heiz- und Energiekosten aus. So verweist Verbandsgeschäftsführerin Herfort auf Baunebenkosten wie Klimaschutzauflagen, die enorm gestiegen seien. Im frei finanzierten Mietwohnungsbau könnten daher in Hamburg gar keine Kaltmieten von weniger als elf Euro pro Quadratmeter mehr angeboten werden.

Tatsächlich beklagt die Immobilienbranche in den vergangenen zwei Jahren einen Preisanstieg bei Wärmedämmkosten von bis zu 40 Prozent. Folge von hohen Baulandpreisen und Baukosten sei, dass neue Wohnungen fast nur noch im "oberen Preissegment" gebaut würden, heißt es beim Bundesverband der Immobilienwirtschaft.

Wie sehr auch energetische Sanierungen im Bestand die Kosten hochtreiben, macht Siegmund Chychla vom Hamburger Mieterverein an einem Beispiel deutlich. Er geht bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung von 20.000 Euro aus. "Das kann voll auf die Miete umgelegt werden und führt zu einer Erhöhung um 183 Euro pro Monat", so Chychla.

Die Heizkosten von vorher 1,10 Euro pro Quadratmeter verringerten sich aber nur um 30 Prozent, was etwa 24 Euro entspreche. Er fordert daher eine stärkere staatliche Förderung bei Dämmungen für Häuser.