2800 Menschen protestieren gegen hohe Mieten

Demo verläuft bis auf eine Hausbesetzung auf St. Pauli friedlich

Hamburg. Wird der Protest gegen hohe Mieten zu einer breiten Hamburger Bewegung? Am Sonnabend haben unter dem Motto "Mietenwahnsinn stoppen - Gemeinsam gegen Wohnungsnot, steigende Mieten und Verdrängung" in der Spitze nach Polizeiangaben 2800 Menschen demonstriert. Der Veranstalter, das Bündnis "Mietenwahnsinn stoppen", sprach sogar von mehr als 4000 Teilnehmern. Der Protest verlief weitgehend friedlich. Allerdings nahm die Polizei zwölf Menschen fest, die versucht hatten, ein leer stehendes Haus an der Bleicherstraße (St. Pauli) zu besetzen.

Mehr als 80 Initiativen und Verbände hatten zum Protest aufgerufen, zeitgleich protestierten auch Menschen in Freiburg und Berlin gegen Mietwucher. Der Aufzug zog am Sonnabend vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt bis zur Hafenstraße. Dabei solidarisierten sich immer wieder Anwohner spontan mit den Demonstranten, indem sie Spruchbänder an die Balkone hängten oder Konfetti aus dem Fenster warfen.

Auf dem Hachmannplatz am Hauptbahnhof hatten sich gegen 13 Uhr bereits die ersten 200 Demonstranten zu einer Kundgebung versammelt. Dabei meldete sich auch Michael Joho vom Einwohnerverein St. Georg zu Wort. "Der Senat muss endlich in die Hufe kommen", sagte Joho. Auch Eugen Schanz, 70, protestierte gegen steigende Mieten. "Ich bin heute hier, weil die Entwicklung der Mietpreise in eine wahnsinnige Höhe geht. Bevor nur noch Betuchte in unserer Stadt leben, gehe ich lieber auf die Straße", sagte der Rentner aus Neugraben.

Familien mit Kindern, alte und junge Menschen beteiligten sich an der Demonstration. "Wir sind begeistert von der großen Resonanz", sagte Maarten Thiele vom Bündnis "Mietenwahnsinn stoppen". Nötig sei eine gesetzlich festgelegte Mietobergrenze bei allen Neuvermietungen. Diese Grenze müsse deutlich unter dem aktuellen Mietendurchschnitt in Hamburg liegen, so Thiele weiter. Zudem stünden mehr als eine Million Quadratmeter Bürofläche in Hamburg leer. "Leerstand darf sich nicht länger lohnen. Wir fordern die Entkriminalisierung von Besetzungen."

Gegen 16 Uhr hatten sich nach Polizeiangaben rund 400 Teilnehmer des Aufzugs zu einer "stationären Versammlung" vor einem leer stehenden Haus an der Bleicherstraße versammelt. Nachdem die Kundgebung um 18 Uhr beendet worden war, nahmen Beamte zwölf Menschen vorläufig fest, die in das Haus eingedrungen waren. Gegen sie läuft ein Verfahren wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs. Insgesamt seien, so die Polizei, 18 Menschen fest- oder in Gewahrsam genommen worden, unter anderem hatten sie Polizisten mit Flaschen beworfen. Von den eingesetzten 1028 Beamten seien fünf leicht verletzt worden.