Offen gesagt

Hamburg erhellt James Bond

Eine Beobachtung von Birgit Reuther

15 Jahre ist es her, dass Pierce Brosnan in "Der Morgen stirbt nie" als James Bond auf dem Dach des Hotels Atlantic herumklettert und der Filmzuschauer mit ihm über die Alster schauen kann. Mehr Hamburg geht kaum im Kino. Aber für wahre Lokalpatrioten ist ein solch offensichtliches Stadtmarketing natürlich Kinderkram. Echte Hanseaten suchen auf der Leinwand nach dem gekonnt platzierten Understatement. Auch beim aktuellen 007-Hit "Skyfall" gibt es da ein im wahrsten Sinne des Wortes optisches Highlight zu entdecken.

Ideen gäbe es natürlich reichlich. Daniel Craig würde in einem Anzug von "Herr von Eden" zum am besten gekleideten Geheimagenten der Welt. Oder Javier Bardem hätte sich als Bösewicht Raoul Silva sein blond gefärbtes Haar noch mal bei Marlies Möller schön machen lassen können.

Aber das wirklich Subtile und Skurrile findet sich bei einem guten Bond-Film natürlich, genau, in der Entwicklungsstube von Q, dem Tüftler im Dienste Ihrer Majestät. Und dieser moderne Erfinder, ein junger Nerd, fertigt nicht mehr, wie James Bond lernen muss, effektheischende Gerätschaften wie etwa einen explodierenden Kugelschreiber. Er mag es klar und stylish. Und beleuchtet wird sein Schreibtisch, in Trailer und Film mehrfach bestens im Bild, von "Bill". Nicht "James Bill". Einfach "Bill". Eine minimalistisch gestaltete Lampe des Designers Tobias Grau. Made in Hamburg. Das passt. Was ist Kino denn anderes als schöner Schein?