NSU-Opfer

Demonstration gegen Rechts friedlich beendet

Etwa tausend Demonstranten forderten vor allem lückenlose Aufklärung der Verbrechen, die von der NSU-Terrorgruppe begangen wurden.

Hamburg. Mehr als 1.000 Menschen haben laut Polizei in der Hamburger Innenstadt friedlich an die Mordopfer der rechtsextremistischen Terrorzelle NSU erinnert. Die von Innenbehörde und Polizei erwarteten Ausschreitungen von Linksextremisten blieben aus. Die Behörden hatten zuvor versucht, die Marschroute der Demonstranten so zu ändern, dass die nicht am Sitz der Innenbehörde am Johanniswall vorbeiziehen würden. Doch das Hamburgische Oberverwaltungsgericht erlaubte die Route am Sonnabend in einem Eilverfahren.

Die Behörden hätten keine „nachvollziehbaren tatsächlichen Anhaltspunkte“ für die Gefahrenprognose darlegen können, befanden die Richter. Derweil sicherten am Sonnabend über 800 Beamte der Hamburger Polizei den Protestzug durch die Mönckebergstraße und andere Teile der Innenstadt.

Vor einem Jahr war bekannt geworden, dass ein Neonazi-Trio zwischen den Jahren 2000 und 2007 bundesweit mindestens zehn Menschen ermordet hat. Die Demonstration in Hamburg findet einen Tag vor dem bundesweiten Aktionstag am Sonntag statt.

Vertrauen in Sicherheitsbehörden weiter tief erschüttert

Die Demonstranten wollten auch an die Aufklärungspannen im Zusammenhang mit der Mordserie erinnern. „Die Sicherheitsbehörden hatten jahrelang die Opfer des Nazi-Terrors selbst für ihren Tod verantwortlich gemacht, denn die Ermittlungen schlossen einen rassistischen Hintergrund aus und wurden in Richtung angeblicher krimineller Aktivitäten geführt“, sagte ein Sprecher der Organisatoren. Derzeit befasst sich ein Untersuchungsausschuss des Bundestags insbesondere mit dem Versagen des Verfassungsschutzes.

Der Protestmarsch in Hamburg begann am Mittag auf dem Hansaplatz und zog dann durch die Innenstadt. Bis zum Ende am späten Nachmittag verlief alles friedlich.

Bereits am Freitag hatten mehrere Migrantenorganisationen des Hamburger NSU-Mordopfers Süleyman Tasköprü gedacht. Sie legten am Tatort im Stadtteil Bahrenfeld Blumen nieder. Tasköprü war Gemüsehändler. Vertreter der Organisationen kritisierten dabei, dass das Vertrauen in die deutschen Sicherheitsbehörden auch ein Jahr nach Auffliegen des Terror-Trios weiter tief erschüttert sei.