Architektur

Stadtentwicklung: Schöner bauen in Hamburg

Das neue Jahrbuch zeigt herausragende Beispiele neuer Architektur. Die Autoren wollen einen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten.

Ein gläserner Wohnturm am Elbufer in Altona, drei eigenwillige Villen-Neubauten in Volksdorf - oder auch nur ein restauriertes Tankstellengebäude aus den 50er-Jahren in Rothenburgsort: Die herausragenden Beispiele neuer Hamburger Architektur erscheinen bunt und recht vielfältig. Zumindest wenn sie von der Planerbranche selbst für ein Jahrbuch ausgewählt worden sind. Aber ein Wettbewerb der größten Projekte oder gar eine Art Rangliste soll der Bildband "Architektur in Hamburg" auch gar nicht sein, der jetzt für das aktuelle Jahr herausgekommen ist und von der Architektenkammer gestern im neuen Ohnsorg-Theater im Bieberhaus am Hauptbahnhof präsentiert wurde. Ein Ort übrigens, der ebenfalls zu den ausgewählten Architekturbeispielen im Jahrbuch zählt.

Aus rund 2000 Vorschlägen trifft eine Jury der Kammer seit 1989 jährlich eine Auswahl, diesmal 26 Gebäude. Um ein aktuelles Bild der Hamburger Baukultur zu zeigen und auch um Diskussionen darüber anzuregen, wie Kammer-Referent und Architekturkritiker Claas Gefroi sagt: "Wir wollen nicht ein Buch, das nur schöne Bilder zeigt. Wir wollen auch einen Beitrag zur Stadtentwicklung bieten", so Gefroi.

So schreibt beispielsweise in dem Jahrbuch der Architekturkritiker Dirk Meyhöfer über den geplanten Abriss einer historischen Genossenschaftsfabrik auf der Peute. "Ein Hilferuf in fünf Akten, der Gehör finden muss, bevor es zu spät ist", heißt es im Untertitel des Textes, der sich gegen die Pläne der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority richtet, die große Teile des Komplexes trotz der anerkannten Denkmalwürdigkeit abreißen will. Ein anderer Beitrag, vom Hamburger Autor und Journalisten Christoph Twickel, befasst sich mit der Bürgerbeteiligung für das geplante Neubaugebiet "Neue Mitte Altona" - "Aufstand der Beteiligten", so überschreibt Twickel seinen Text bezeichnenderweise.

Zum Teil recht kritisch sind aber auch die Texte verschiedener Autoren zu den 26 ausgewählten und herausragenden Gebäuden, die im Jahr 2011 fertiggestellt wurden in Hamburg. Von einer "recht drögen Fassade" mit Zyklopenfenster" ist beispielsweise in dem Artikel zum "Spiegel"-Neubau auf der Ericusspitze zu lesen. Der Autor Falk Jaeger erinnert damit an die Entstehungsgeschichte des Neubaus, der ursprünglich ein riesiges Multimediafenster bekommen sollte, was bei der öffentlichen Vorstellung des Entwurfs noch euphorisch gelobt worden war. Doch "während der langen Planungsphase verschwanden die teueren Pläne stillschweigend", so Jaeger. Aber es gibt auch viel Lob: etwa zur Restaurierung und Erweiterung des Bestattungsforums in Ohlsdorf, das als letzter großer Entwurf des legendären Hamburger Oberbaudirektors Fritz Schumacher gilt, bevor er 1933 von den Nazis aus dem Amt gedrängt wurde.

Das junge Hamburger Architekturbüro LA'KET Architekten wird in dem Jahrbuch sogar mit drei Villen-Projekten in Volksdorf mit viel Anerkennung des Kollegen bedacht. Und tatsächlich zeigen die Fotos der drei Gebäude auch einen spannenden Umgang mit Materialien und Formen, die sich teils an Nachbarhäusern orientieren, teils aber auch völlig anders sind. "Jenseits allen Sozialneides und der Ressourcen-Korrektheit bin ich persönlich froh darüber, dass junge Hamburger Architekten so etwas in dieser Qualität bauen können", schreibt Architekturkritiker Meyhöfer. Ein Satz, den wohl die meisten Betrachter unterstreichen dürften.

"Architektur in Hamburg. Jahrbuch 2012", herausgegeben von der Hamburgischen Architektenkammer, 192 Seiten. Junius Verlag, 39,90 Euro

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