Hamburger Attraktionen

Streik im Dungeon: Grusel-Faktor Stundenlohn

Mitarbeiter fordern höhere Gehälter. Geschäftsleitung spricht von „marktüblicher Bezahlung”. Publikum steht vor verschlossenen Türen.

Hamburg. Kurz nach zehn Uhr tanzten die Geister – aber nicht wie üblich im Hamburg Dungeon, sondern davor. Das Eingangstor der beliebten Touristenattraktion in der Speicherstadt bleibt am heutigen Freitag fest verrammelt, die Belegschaft ist im Ausstand. „Das Gruseligste am Hamburg Dungeon ist der Stundenlohn“, steht auf einem Transparent. Dahinter haben sich etwa 30 Mitarbeiter versammelt, um für höhere Löhne zu streiken. In dem Unternehmen gibt es keinen Tarifvertrag. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di sind die Einstiegsgehälter zwischen 7,50 pro Stunde für Bürokräfte und 8,75 Euro für Schauspieler. „Wir fordern, dass die Qualität, die wir liefern auch entsprechend gezahlt wird“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Helge von Hove.

Gemeinsam mit Ver.di hatte die Belegschaft die Geschäftsführung zu Tarifgesprächen aufgefordert. Die Forderungen: Anhebung des Mindeststundenlohns im kommerziellen Bereich auf 8,50 Euro sowie auf 9,60 Euro für die professionellen Schauspieler. Außerdem verlangen die Mitarbeiter Reglungen zu Urlaub, Altersversorgung und befristeten Verträgen. Nachdem die letzte Verhandlungsrundeergebnislos gescheitert war, hatte die Gewerkschaft zum Streik aufgerufen. „Das Hamburger Dungeon ist seit Jahren eine boomende Tourismusattraktion mit steigenden Besucherzahlen und Eintrittspreisen, es kann nicht sein, dass die Gehälter unterhalb der Armutsgrenze gezahlt werden“, sagte Peter Bremme von Ver.di.

Das Hamburger Dungeon gehört zum englischen Konzern Merlin Entertainments Group, dem weltweit zweigrößten Anbieter von Freizeitattraktionen. Die Geschäftsleitung wies die Forderungen der Belegschaft zurück. Es würden in Hamburg marktübliche Löhne gezahlt, heißt es in einem offenen Brief an die Belegschaft. Der Durchschnittslohn der Stundenkräfte liege bei 8,81 Euro und sei damit höher als in vielen branchenüblichen Tarifverträgen.

Die Leidtragenden des Arbeitskampfs sind die Besucher. Bis auf weiteres sind die Türen an der Kehrwiederspitze zu. Mitarbeiter verteilen Freikarten und versuchen die Lage zu erklären. Die Reaktionen sind unterschiedlich. „Ist schon schade“, sagt Niklas, der mit seiner Jahrgangsstufe aus dem westfälischen Halver auf Klassenreise in Hamburg ist. Nina Müller und Jens Kuhn sind aus Stuttgart zu Besuch in Hamburg. Obwohl es ihr letzter Tag in Hamburg ist, haben sie Verständnis für die Forderungen der Schauspieler. „Die Freikarten sind zeitlich unbegrenzt. Dann kommen wir eben wieder.“

Ab Sonnabend soll der Betrieb im Dungeon wieder normal laufen.