Behörde erschwert Wechsel vom Gymnasium zur Stadtteilschule

Hamburg. Der Übergang vom Gymnasium zur Stadtteilschule am Ende der Klassenstufe 10 wird vom nächsten Schuljahr an schwieriger. Die Schulbehörde hat per Verordnung den zunehmend beliebteren Wechsel in die elfte Klasse der Stadtteilschule verboten. Schüler, denen das Lerntempo am Gymnasium (zwölf Jahre zum Abitur) zu hoch ist, haben an der Stadtteilschule ein Jahr länger Zeit bis zur Abschlussprüfung. Nach dem Willen von Schulsenator Ties Rabe (SPD) soll vom Schuljahr 2013/14 an nur noch der Sprung von Klasse 10 des Gymnasiums in die zwölfte Klasse der Stadtteilschule erlaubt sein.

In seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Walter Scheuerl (CDU-Fraktion) begründet der Senat die Neuregelung mit dem im Vergleich beider Schulformen erteilten gesamten Unterricht. Gymnasiasten haben am Ende der Klasse 10 mit 197 bis 200 Wochenstunden bereits mehr Unterricht gehabt als die gleich alten Stadtteilschüler mit 185 Wochenstunden. Außerdem hat der Gymnasiast am Ende der Klasse 10 bereits die Vorstufe zur Oberstufe durchlaufen, die an der Stadtteilschule erst in Klasse 11 folgt. "Der Übertritt dieser Schüler in die Vorstufe der Stadtteilschule käme daher einer Wiederholung der Jahrgangsstufe 10 am Gymnasium gleich", schreibt der Senat. Wiederholungen lässt das Schulgesetz jedoch nur noch in wenigen begründeten Ausnahmefällen zu (zum Beispiel im Fall einer langfristigen Erkrankung).

Scheuerl kritisiert das Verbot des Wechsels in Klasse 11 der Stadtteilschule scharf. "Das Abschotten der Schulformen voneinander ist der armselige und untaugliche Versuch, Eltern schon bei der Anmeldung eine unbegründete Angst vor den hohen Leistungsanforderungen des Gymnasiums zu machen", sagte Scheuerl. "Die Durchlässigkeit nach Klasse 10 war pädagogisch sinnvoll", so der Abgeordnete. Leistungsschwächeren Gymnasiasten ermöglichte der Schulformwechsel, ihre Lernrückstände auszugleichen. "Für die zahlenmäßig eher kleinen Oberstufen der Stadtteilschulen war die wachsende Zahl von wechselnden Gymnasiasten zugleich eine willkommene Verstärkung." Im Schuljahr 2009/10 - vor Einführung der Stadtteilschulen - registrierte die Behörde 61 Gymnasiasten, die nach Klasse 10 die Schulform wechselten. 2011/12 waren es bereits 105 Jungen und Mädchen.