Elektronikkonzern

Philips will weltweit 6700 Stellen streichen

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Rolf Zamponi

Verschärfter Sparkurs: 3300 Beschäftigte in Hamburger Deutschland-Zentrale in Sorge. Arbeitsplatzabbau soll sozialverträglich erfolgen.

Hamburg. Der Philips-Konzern wird noch mehr Stellen streichen als bisher vorgesehen. Statt 4500 sollen nun weltweit rund 6700 Arbeitsplätze abgebaut werden, kündigte Konzern-Chef Frans van Houten gestern in London bei einer Konferenz für Investoren an. Damit will der Manager die Einsparungen bis zum Jahr 2014 von bisher geplanten 800 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden Euro steigern. "Mit den Maßnahmen werden wir Auswirkungen des derzeit spürbaren konjunkturellen Gegenwinds verringern können", sagte van Houten. Weltweit waren Ende Juni mehr als 120.000 Beschäftigte bei dem Unternehmen angestellt.

Wie sich die Entscheidung des Managements auf Hamburg auswirken wird, blieb gestern offen. "Für den Stellenabbau gibt es noch keine Zahlen für Länder oder einzelne Regionen", sagte eine Philips-Sprecherin in der Hansestadt dem Abendblatt. Eine Entscheidung solle aber noch in diesem Jahr fallen. "Wir werden beim Abbau aber in jedem Fall so sozialverträglich wie möglich vorgehen," versicherte die Sprecherin. Auch der Hamburger Betriebsrat hatte gestern noch keine Informationen darüber, inwieweit der Standort von dem geplanten Stellenabbau betroffen sein könnte.

In der Hansestadt hat Philips seine Deutschland-Zentrale. Insgesamt sind an der Elbe seit etwa zehn Jahren konstant 3300 Mitarbeiter beschäftigt. Allerdings wechselten in diesem Jahr rund 100 Beschäftigte aus dem für Philips verlustreichen TV-Geschäft zu dem taiwanischen Partner TPV. An den neuen Gemeinschaftsunternehmen halten die Chinesen nun 70, Philips die restlichen 30 Prozent.

+++ Philips kann schwarze Zahlen präsentieren +++

Schwerpunkt des Stellenabbaus im Konzern werden der Gesundheitsbereich und die Lichtsparte sein. Vor allem dort hat Konzernchef van Houten noch Einsparpotenziale ausgemacht. Gerade in der Medizintechnik sind in Hamburg aber etwa zwei Drittel der Philips-Beschäftigten tätig. Im Hamburger Werk werden Computertomografen und Röntgengeräte hergestellt und von dort weltweit an Kunden geliefert. Der Bereich gilt als Hoffnungsträger im Konzern und ist hoch innovativ. So führt Philips nach der Zahl der im Jahr 2011 angemeldeten Patente die Statistik der Hamburger Handelskammer noch vor dem Flugzeugbauer Airbus an. Der Rest der Beschäftigten in Hamburg gehört zur Verwaltung von Philips sowie zum Vertrieb bei den Sparten Haushaltsgeräte und Licht.

Konzern-Rendite soll auf über zehn Prozent steigen

Der Konzern steht derzeit vor einem weitreichenden Umbau. Der Hintergrund: Im vergangenen Jahr hatte der Weltmarktführer bei Leuchten und größte europäische Anbieter von Unterhaltungselektronik einen Milliardenverlust eingefahren. Gespart wird nun etwa in der Verwaltung, der IT, im Finanzressort sowie im Personalwesen und Immobilienmanagement des Konzerns. "Es ist ein großes Programm und ich schätze, dass es mindestens drei Jahre dauern wird", hatte van Houten, der seit April 2011 an der Spitze von Philips steht, zuletzt gesagt. Es gehe darum, das 121 Jahre alte Unternehmen zu einem jungen, agilen Konzern zu machen. Bei der Profitabilität des Konzerns sieht der Manager noch viel Potenzial. 2013 soll die Gewinnspanne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) auf zehn bis zwölf Prozent vom Umsatz steigen. Im zweiten Quartal hatte es Philips zunächst zurück in die schwarzen Zahlen geschafft. Die Rendite lag mit 7,6 Prozent noch unter dem Zielwert. Am 22. Oktober werden Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt.

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