Fernsehsucht: Unterschätzte Gefahr

Wenn das Ausschalten immer schwerer fällt

Viele Menschen setzen sich für ein generelles Rauchverbot in öffentlichen Räumen, wie auch gegen Drogen ein, um andere Menschen vor einer Sucht zu bewahren. Doch vergessen viele, dass es auch andere Drogen gibt. Ich spreche über eine ganz alltägliche Droge: den Fernseher. Ich habe schon in den Medien viel über verschiedene Suchtarten gehört, aber sie haben immer den Fernseher ausgelassen, obwohl die Fernsehsucht genauso gefährlich werden kann.

Fernsehsucht fängt am Anfang harmlos an. Zuerst schaut der Zuschauer sich nur seine Lieblingssendung an, durch Programmhinweise in den Werbungen erfährt er von anderen Sendungen. Man gewöhnt sich an, mehrere Sendungen am Tag und in der Woche zu schauen, um die Handlungen der Serien zu verfolgen und sich in das Leben der gespielten Personen hineinzuversetzen. Da die Serien jeden Tag oder einmal in jeder Woche laufen, muss der Zuschauer einschalten, um nichts zu verpassen. Man empfindet es als entspannend, vor dem Fernseher zu sitzen.

Insbesondere sind Kinder zwischen 10 und 17 Jahren gefährdet, dieser Sucht zu verfallen. Denn in diesen Jahren sind die Stimmungsschwankungen sehr hoch, die durch Ereignisse in ihrem Umfeld ausgelöst werden. Ich selber habe manchmal keine Lust mehr, Aufgaben zu erledigen, die mir im Haushalt oder in der Schule aufgegeben worden sind. Dieses Aufschieben von Aufgaben bewirkt, dass das Kind in einen Stresszustand kommt. Diesen Stress versucht man, durch andere Aktivitäten auszugleichen.

Man schaltet den Fernseher an, der einem ein beruhigendes Gefühl gibt. Sobald aber der Fernseher ausgeschaltet ist, verfällt man wieder in den Stresszustand, den man versucht hatte zu verdrängen. Die Probleme holen einen ein. Das Ausschalten fällt einen immer schwerer. Die schulischen Leistungen werden so kontinuierlich schlechter, und ein Teufelskreis entsteht. Auch die Konzentration lässt nach. So vergisst man schneller, dass man etwas im Haushalt erledigen muss. Die Vergesslichkeit führt manchmal zum Konflikt mit den Eltern, und das Kind kommt wieder in eine Stresssituation. Man flüchtet in das Zimmer und schaltet zur Beruhigung den Fernseher an.

Erstaunlich ist, dass immer mehr Kinder einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer stehen haben. Die Folgen von langem Fernsehschauen sind Schlafbeschwerden, Müdigkeit und Aggressivität.

Doch nicht nur Kinder sind gefährdet, fernsehsüchtig zu werden, ebenso auch Erwachsene. Viele Deutsche sitzen mehr als drei Stunden pro Tag vorm Fernseher. Der TV-Konsum von 50- bis 64-Jährigen liegt im Durchschnitt bei 245 Minuten pro Tag. Über 65-Jährige schauen im Durchschnitt sogar 285 Minuten - ganze fünf Stunden pro Tag (Quelle: GFK/Tagesspiegel).

Meistens merkt man selber den überdosierten Konsum von flackernden Bildern auf seinem Bildschirm nicht. Es ist eine Sucht, die wie jede andere Sucht entsteht.

Kilian A. Petersen, 10 a,

Johannes-Brahms-Gymnasium