Aus für Bambule-Bauwagen

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Matthias Rebaschus, Jan-Eric Lindner

KAROVIERTEL. Der Platz wird geräumt, den Bewohnern werden Wohnungen angeboten.

Die Bauwagen-Siedlung Bambule im Karoviertel soll bis Ende des Jahres aufgelöst werden - notfalls mit einer Zwangsräumung. Zuvor will aber das zuständige Bezirskamt Mitte den Bambule-Bewohnern Wohnungsangebote unterbreiten. "Wir suchen jetzt eine einvernehmliche Lösung. Unser Ziel ist es, dass die Bauwagenbewohner freiwillig in die Wohnungen gehen und den Platz räumen", sagt Bezirksamtsleiter Markus Schreiber. Deshalb will das Bezirksamt heute den drei namentlich bekannten Bewohnern Briefe mit Angeboten für Sozialwohnungen vorbeibringen. An unbelegte Bauwagen werden heute Zettel geheftet, die erklären, wie auch diese Bewohner zu Wohnungen kommen können. Auf dem Zettel heißt es: "Das Bezirksamt möchte mit diesem Schreiben nochmals deutlich machen, dass es nicht bereit ist, die weitere Nutzung hinzunehmen und daher beabsichtigt, in Kürze die Nutzung zu unterbinden. Wir bitten Sie daher, sich kurzfristig und ernsthaft um eine neue Unterkunft zu bemühen." Die angebotenen Wohnungen seien "eher schlicht" und liegen verteilt im Bezirk Mitte. Die Angebote gelten nur für die Bauwagen-Bewohner auf dem Bambule-Platz, nicht für die Bauwagen in der Nachbarschaft. Nach langen politischen Auseinandersetzungen gibt es jetzt zum ersten Mal ein gemeinsames Vorgehen von SPD und CDU: Im März hatten beide Parteien im Bezirk in einem gemeinsamen Antrag beschlossen, allen Bewohnern des Bauwagen-Platzes Wohnraum anzubieten, weil das "Leben im Bauwagen keine geeignete Wohnform in der Großstadt darstellt". "Die erste Stufe bei der Umsetzung des Beschlusses war eine Begehung am 18. Juli. Dabei erhielten wir die Personalien von drei Bewohnern", sagt Bezirksamtssprecher Gerthold Roch. Insgesamt wurden 17 Bauwagen angetroffen. Wie viele Menschen in den Bauwagen leben, ist nicht bekannt. Keiner ist polizeilich gemeldet. Faktisch sind die Bewohner auch "nicht geduldet", erklärt das Bezirksamt. Wenn die Bauwagen-Bewohner die Angebote nicht annehmen, "wird die allgemeine Nutzung des Platzes wieder sichergestellt", teilt das Bezirksamt mit. Die Verantwortung für die Umsetzung des Beschlusses trägt der Bezirk Mitte. Markus Schreiber: "Wir werden den Platz umbauen. Es entstehen dort Gärten für die Anlieger". Die Anlieger leiden besonders unter den Begleitumständen der Bauwagen-Siedlung. Seit mehr als zwei Jahren haben einige Mieter an der angrenzenden Grabenstraße Mietminderungen in Höhe von jährlich 5000 Euro gegenüber der STEG durchgesetzt. Sie beklagen sich über Lärm, Schmutz und Mangel an Parkplätzen. Seit einigen Tagen wundern sich Anwohner über rege Aufräumtätigkeiten auf dem Platz. "Vielleicht, damit alles ordentlich ist, wenn die Polizei kommt", scherzt ein Rentner. Die Nachricht allein, dass eine Räumung nun kurz bevorstehe, erfreut hier niemanden. Die einen, weil sie die unkonventionellen Nachbarn schätzen gelernt haben. Die anderen, weil ihnen schon zu oft versprochen wurde, dass Lärm und Feuerqualm endlich aufhören. "Ich bin seit zwei Jahren hier", sagt Frührentner Dieter Radtke (61) aus dem ersten Stock. "Seitdem schlafe ich jede Nacht mit Ohrstöpseln. Dauernd ist da unten Musik und Party. Das geht bis morgens um vier, und tagsüber pennen die Bauwagenleute friedlich." Eine Nachbarin, die ihren Namen nicht nennen will, kann den Anblick von "denen da unten nicht mehr ertragen". Die Rentnerin: "Als wir vor zwei Jahren hier eingezogen sind, hat die STEG uns gesagt, dass wir uns an den Wagen nicht stören sollten. Die kämen bald weg." Doch auch andere Stimmen gibt es: "Ich mag das bunte Leben. Andere Lebensformen erweitern den Horizont", sagt eine junge Mutter. Einige Anwohner haben inzwischen die Miete wegen Lärm und Gestank gekürzt, viele andere - vor allem Ältere - wissen gar nicht, dass sie diese Möglichkeit haben.

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