Papst zieht "Titanic"-Klage zurück

Kurz nach der Protestaktion von Redakteuren wurde der heutige Gerichtstermin abgesagt

Neustadt. Einen Tag vor dem geplanten Verhandlungstermin am Landgericht Hamburg hat der Vatikan die Klage gegen das Satire-Magazin "Titanic" zurückgezogen. "Nach eingehenden Beratungen ist der Heilige Stuhl zu der Entscheidung gelangt, eine Rücknahme des Antrags auf einstweilige Verfügung gegen den Titanic Verlag zu veranlassen", teilte die Deutsche Bischofskonferenz gestern in Bonn mit.

Bei dem Streit zwischen dem Magazin "Titanic" und dem Vatikan ging es um das Titelbild der Juli-Ausgabe. Dies zeigt das Oberhaupt der katholischen Kirche mit einem großen braunen Fleck hinten und einem großen gelben Fleck vorne auf der Soutane. Der Papst selbst hatte die einstweilige Verfügung erwirkt. Etwa zeitgleich zum öffentlichen Zurückrudern der katholischen Kirche fand eine Protestaktion gegen das Papst-Satire-Verbot vor dem Michel statt. Dabei ketteten sich "Titanic"-Redakteure sowie Parteifreunde von Der Partei symbolisch an die Hauptkirche. Allen voran der als Papst verkleidete Chefredakteur Leo Fischer. Auch Entertainer Heinz Strunk nahm an der Aktion teil.

Nach Bekanntwerden der Kehrtwende äußerte sich Chefredakteur Fischer: "Wir sehen uns in einer Tradition mit Giordano Bruno, Galileo Galilei und Margot Käßmann, die alle im Nachhinein recht bekommen haben. Ob das 500 Jahre oder fünf Monate gedauert hat, ist vor der Ewigkeit ohne Bedeutung." Das Hamburger Landgericht teilte am gestern mit, dass die für Freitag angesetzte Verhandlung nicht stattfinden werde. Die "Titanic" wolle dennoch an ihrem für Freitag angekündigten "Papst-Mittelaltermarkt" am Sievekingplatz vor dem Landgericht festhalten.