Das neue Blankenese kostet 95 Millionen

Erik-Blumenfeld-Platz: Immobiliengesellschaften bauen dort ein neues Stadtquartier. Die holländische ING Real Estate und die Deutsche Grundvermögen investieren in Wohnungen, Büros, Gastronomiebetriebe - und in den alten Bahnhof.

Die historische Fassade ist mit geflickten Stellen im Putz übersäht, im Flachbau davor stehen etliche Geschäfte leer: Der Bahnhof Blankenese passt schon lange nicht mehr zu dem schnieken Hamburger Stadtteil: Doch bis Mitte 2008 soll sich dieses Bild radikal wandeln. Die Deutsche Grundvermögen AG (DGAG) und das holländische Immobilien-Unternehmen ING Real Estate investieren dazu rund 95 Millionen Euro in das 25 000 Quadrameter große Areal. Dazu zählt auch das Bahnhofsgebäude, das beide Unternehmen von der Bahn AG kaufen und renovieren wollen. "Wir bauen hier ein neues Stadtquartier, eine große Sache für Hamburg", sagt DGAG-Geschäftsführer Martin Mörl.

Bereits seit vielen Jahren plant die DGAG an dem Projekt. Nach etlichen Diskussionsrunden im Bezirk über Architektur und Nutzung stand dann der neue Bebauungsplan im vergangenen Sommer fest. Kürzlich startete das Unternehmen mit einem kleineren Abschnitt westlich des Bahnhofs am Goßlers Park. Aktuell stieg jetzt auch die ING Real Estate mit ein und beteiligt sich an der Hälfte der Kosten des Kernprojekts rund um den Bahnhof. Baustart dort ist nun in den nächsten Tagen - die unendliche Geschichte Bahnhofsplatz Blankenese dürfte damit ein Ende gefunden haben. Die Holländer sind auch Investoren des neuen Übersee-Quartiers der HafenCity. Die DGAG ist in Hamburg vor allem in Altona aktiv und hat unter anderem Bürobauten am Holzhafen sowie das Einkaufszentrum Mercado realisiert.

Zurzeit werden am Blankeneser Bahnhof von der Stadt bereits Straßen und Wege am Erik-Blumenfeld-Platz neu gebaut, rund um den Platz entsteht der neue Omnibus-Bahnhof. Die Kosten dafür teilen sich Investoren und öffentliche Hand. In der Mitte will die Investoren-Gruppe ein Cafe bauen. Insgesamt werden für Wohnungen, Geschäfte, Büros und öffentliche Einrichtungen gut 30 000 Quadratmeter Nutzfläche neu gebaut. Der Wohnanteil soll bei rund 50 Prozent liegen. Hinzu kommen 430 Parkplätze in Tiefgaragen. Im ersten Halbjahr 2008 werden alle Neubauten fertig sein. Im Einzelnen sieht das Projekt folgende Abschnitte vor:

  • Am Goßlers Park stehen bereits Baugerüste und die Erdgeschoss-Wände für einen Gebäude-Komplex mit Wohnungen, Praxen und Büros. Ins Erdgeschoss werden laut DGAG ein Budnikwosky-Drogeriemarkt und ein Optiker einziehen. Fertigstellung für dieses 20-Millionen-Euro-Objekt ist für Anfang 2007 vorgesehen.
  • Für den zweiten Abschnitt hinter dem Bahnhof starten in diesen Tagen die ersten Bauarbeiten: Geplant sind dort drei Gebäude mit zwei Tiefgaragen-Ebenen (240 Plätze). Darüber sollen ein Minimal-Supermarkt sowie der Discounter Penny (beide gehören zur Rewe-Gruppe) einziehen. in den weiteren vier bis fünf Stockwerken werden hier 100 Senioren-Wohnungen gebaut. Mieter wird dort die kirchliche Martha-Stiftung. "Dieser Abschnitt ist bereits zu 100 Prozent vermietet", sagt Mörl. Fertigstellung ist für Anfang 2008 vorgesehen. Nebenan sollen später drei Wohngebäude mit zusammen 25 Eigentumswohnungen gebaut werden.
  • Der geplante zentrale Gewerbebereich unmittelbar am Bahnhof ist indes gut zur Hälfe vermietet. Baubeginn ist für Ende dieses Jahres geplant. Die fünf Gebäude werden zum Teil auf einer Betonplatte über den Gleisen errichtet. Im Erdgeschoss werden dort Mörl zufolge eine Filiale der Bäcker-Kette Dat Backhus, ein Heymann-Buchladen sowie Geschäfte und Büros neue Mieter der Investoren-Gruppe. Zudem werde es dort ein neues Restaurant mit Außenbereich geben. Darüber soll ein Fitness-Center einziehen. Dahinter werden die neue öffentliche Bücherhalle sowie das städtische Kundenzentrum (Ortsamt) eröffnen. Auch der Blankeneser Klönschnack-Verlag zieht dorthin. Im unteren Teil wird hier ebenfalls eine Tiefgarage mit 110 Plätzen gebaut.