Kommentar

Mietenanstieg als Alarmsignal

Familienfreundlichkeit Hamburgs auf dem Prüfstand

Die gute Nachricht für Hamburg gleich vorweg: Große Städte sind die Gewinner des demografischen Wandels, denn sie wirken anziehend auf junge Menschen. Das ist aber auch notwendig, weil alle deutschen Metropolen auf Zuwanderung angewiesen sind, wollen sie in den nächsten Jahrzehnten wachsen und nicht schrumpfen - in keiner dieser Städte ist die Geburtenrate auch nur annähernd hoch genug, um für eine konstante Bevölkerungszahl zu sorgen.

Natürlich ist die Familienfreundlichkeit eines Standorts, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) untersucht hat, nicht der einzige und oft nicht der wichtigste Faktor für die Entscheidung, wo jemand arbeiten und leben will. Wer einen Job bei einem Flugzeugbauer anstrebt, wird ihn in Hamburg suchen und wohl nicht in Köln oder Stuttgart.

Anders sieht es etwa bei Studenten der Betriebswirtschaft oder der Rechtswissenschaften aus; hier mag die Attraktivität des Studienorts auch im Hinblick auf die nächsten Lebensjahrzehnte eine Rolle spielen. Doch wird ein Student wohl nicht unbedingt nach Volksdorf, sondern eher in die Schanze oder ins Grindelviertel ziehen - und dieses Beispiel zeigt schon eine Schwäche derartiger Standortstudien: die leider unumgängliche Pauschalisierung. Das gilt für die Immobilienpreise, die innerhalb Hamburgs eine enorme Spannbreite aufweisen, aber auch für das Kriterium Bildung: Selbstverständlich gibt es auch in der Hansestadt gute Schulen.

Ohnehin ist hier in den vergangenen Jahren vieles auf den Weg gebracht worden, was sich erst nach und nach in den diversen Untersuchungen zur Bildungsqualität niederschlagen kann. Jetzt kommt es darauf an, dass die Lehrer nicht durch permanente Reformen davon abgehalten werden, ihre Arbeit zu tun.

Dringender Handlungsbedarf dagegen besteht beim Wohnungsangebot. Die gerade in Hamburg zuletzt extrem hohen Steigerungsraten bei Mieten und Immobilienpreisen sind ein Alarmsignal. Der Hamburger Wirtschaft kann es schließlich egal sein, ob ein Mitarbeiter diesseits oder jenseits der Stadtgrenze wohnt. Für den Senat aber ist das ein entscheidender Unterschied.